Rollstuhlfahrer wünschen sich Schaukel

In der Förderstätte Waldmünchen werden 13 Menschen mit geistiger Behinderung betreut

 

Von Alexandra Brückl

 

23. Dezember 2015

 

Waldmünchen. Auch in der Förderstätte Waldmünchen freut man sich auf Weihnachten. Heuer haben die 13 Männer und Frauen, die in der Einrichtung betreut werden, einen ganz besonderen Wunsch: eine spezielle Schaukel für Rollstuhlfahrer. Einmal in einer Schaukel sitzen, ein bisschen vom Boden abheben und dem Himmel ein Stückchen näher kommen. Was für die meisten von uns selbstverständlich ist, ist für Menschen mit Behinderung gar nicht oder oft nur schwer möglich.

 

Neben der Freude an der Bewegung regt Schaukeln alle Sinne an und macht glücklich, das weiß auch Michael Kiefl, Bereichsleiter für Außenstellen und ambulante Dienste der Barmherzigen Brüder in Reichenbach, die seit September 2011 die Förderstätte in Waldmünchen betreiben. Dieses Erlebnis möchte er seinen Schützlingen gerne ermöglichen, doch diese speziellen Schaukeln – die besten kommen aus Skandinavien – sind teuer und im Budget nicht drin. Nun hofft Kiefl, die erforderlichen 4000 bis 5000 Euro langfristig durch Spenden zu sammeln. Platz für die Schaukel gibt es im Garten genug.

 

Derzeit werden in der Förderstätte 13 Menschen mit geistiger Behinderung betreut, sechs von ihnen sitzen im Rollstuhl. Wenn er von seinen Schützlingen spricht, wählt Kiefl bewusst den Begriff Beschäftigte. Schließlich gehen sie einer Beschäftigung nach, auch wenn für sie aufgrund ihrer Behinderung weder eine Arbeit des ersten Arbeitsmarkts noch eine Tätigkeit in den Werkstätten der Barmherzigen Brüder geeignet ist. Das Konzept der Förderstätte ist individuell ausgerichtet, die Förderplanung richtet sich nach dem Menschen. „Unser Anspruch ist es, die Person in ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen zu fördern", sagt Kiefl.

 

Maximal ein bis zwei Stunden, mehr können die Beschäftigten der Förderstätte an einem Arbeitstag nicht bewältigen. In dieser Zeit erledigen sie aber grundsätzlich die gleichen Arbeiten wie ihre Kollegen in der Werkstätte in Reichenbach, allerdings ohne Produktionsdruck. Sie machen Sortier- oder Montagearbeiten, stellen K-lumet-Anzünder aus Holzabfällen her oder basteln. So haben die Männer und Frauen der Förderstätte auch heuer Kunsthandwerkliches für den Waldmünchner Christkindlmarkt gefertigt. Egal ob Glückwunschkarten in unterschiedlichen Techniken, Schlüsselanhänger aus Moosgummi oder Lebkuchenherzen für interne Veranstaltungen, die Beschäftigten der Förderstätte stellen alles her. Derzeit arbeiten sie an Rosenkränzen für das Jubiläum „125 Jahre Barmherzige Brüder Reichenbach", das 2016 gefeiert wird. „Menschen mit Behinderung zu unterstützen, ist unser Auftrag", erklärt Kiefl. Auch sie brauchen Rituale und Alltagsstrukturen. Mit Bussen werden die 13 Beschäftigten montags bis freitags zur Förderstätte gebracht. Mit dem Morgenkreis um 8.30 Uhr startet man gemeinsam in den Tag. Nach der Brotzeitpause beginnt die erste Einheit – für jeden nach seinen Fähigkeiten entweder individuell oder in Kleingruppen. Der Tagesablauf ist immer wieder durch die Pflege unterbrochen. Das Mittagessen – geliefert vom benachbarten BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheim – wird gemeinsam eingenommen. Bis 13.30 Uhr ist Mittagspause, danach hat jeder wieder seine Einheit. Nachmittags gibt es noch mal eine Brotzeit, ab 15 Uhr machen sich die Beschäftigten fertig für die Heimreise. Die Busse fahren um 15.30 Uhr und bringen sie wieder zurück in ihre Familien.

 

Zu den verschiedenen Angeboten der Förderstätte gehören körperorientierte Wahrnehmungsförderung, die Förderung der sozialen und kommunikativen Fähigkeiten, Arbeit, Beschäftigung und Gestalten, lebenspraktische Unterstützung, Musik und Rhythmik, Bewegung, aber auch Feste und Feiern. Jeder Beschäftigte hat einen Wochenplan mit den für ihn geeigneten Angeboten. Die Fördergruppen, zur Zeit zwei, sind individuell ausgestattet. Die Förderstätte verfügt über einen Rhythmikraum, Einzeltherapieräume, Snoezelenräume, ein Wasserklangbett sowie Arbeits- und Werkräume. Eine Schaukel für Rollstuhlfahrer, die nicht Rolli-Fahrer genauso nutzen können, wäre eine gute und sinnvolle Ergänzung, gerade im Hinblick auf Bewegung und körperorientierte Wahrnehmung.

 

Info

In der Förderstätte Waldmünchen werden Menschen mit geistiger Behinderung nach Vollendung der Schulpflicht in der Gruppe oder einzeln betreut. Derzeit sind es 13 Männer und Frauen aus dem östlichen Landkreis Cham und dem östlichen Landkreis Schwandorf, um die sich sechs Mitarbeiter kümmern. Zuständiger Bereichsleiter für die Förderstätte ist Michael Kiefl, die Teamleitung in Waldmünchen hat Birgit Müller.