Jeder braucht menschliche Nähe und Kontakte

Neben dem gedeckten Frühstückstisch sind es vor allem die persönlichen Gespräche, weshalb die Teilnehmer des Frühstückstreffs Sofa (= Sozial und offen für alle) jeden Mittwoch in der Ostengasse zusammenkommen. (Fotos: el)

Frühstückstreff der Sozialen Initiativen e.V. unterstützt sozial schwache Regensburger

 

12. Dezember 2015

 

Regensburg - Es regnet in Regensburg. Kein leichter Nieselregen. Nein, ein richtiger Spritzregen kommt an diesem Dezember-Mittwoch vom nebelgrauen Himmel. Nach und nach durchweicht er die Winterjacke und macht jede weitere Minute auf der Straße ungemütlich. Umso angenehmer ein Ziel zu haben. Wo eine dampfende Tasse Kaffee, ein gedeckter Tisch und bekannte Gesichter einen willkommen heißen - so wie beim Sofa in der Ostengasse 22.

 

Obdachlose, Arbeitslose, psychisch Kranke, Einsame
„Zu unserem wöchentlichen Frühstückstreff kann jeder kommen", sagt Sofa-Sprecher Andi das Projekt der Sozialen Initiativen Regensburg e.V.: Das können Obdachlose, Arbeitslose, Menschen mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen sein, erklärt Reinhard Kellner vom Verein der Sozialen Initiativen.


Da gibt es Michi (alle Namen geändert), der gerade im Bezirksklinikum eine Therapie macht und die gute Seele beim Frühstückstreff ist. Der immer mit einer Schürze in der Küche steht, Kaffee kocht oder abspült. Oder Peter, der noch keine 30 ist und einen fitten Eindruck macht, doch schon lange mit Drogen zu tun hat. „Obdachlos ist hier grad im Moment keiner", erzählt der studierte Sozialpädagoge Kellner mit Blick in die Runde: „Aber auch wenn hier viele Therapien gemacht haben und sich immer wieder aufgerappelt haben - einen Job hat keiner".

Josef hört ganz genau zu, als Bischof Nikolaus die Verse über ihn vorträgt. (Fotos: el)

Hier ist eine Gemeinschaft gewachsen
Doch heute rückt dieses Schwere und Belastende ein paar Stunden in den Hintergrund. Bischof Nikolaus hat sich in der Ostengasse angemeldet. In ein rotes Nikolausgewand gehüllt liest der bekannte Kapuzinerpater Clemens Habiger für jeden Anwesenden ein kurzes Gedicht vor. Sei es die lobende Erwähnung von Michis Einsatz in der Küche oder der scherzhaft mahnende Zeigefinger über die Geschwätzigkeit von Fritz - eines ist klar: Hier ist eine Gemeinschaft, die sich untereinander kennt und über die drei Jahre, die das Sofa schon existiert, schon zusammengewachsen ist. „Die Menschen hier sind froh über den Mittwochstreff", erklärt Kellner, der sich schon jahrzehntelang für die sozial Schwachen in Regensburg einsetzt, „sie sind unter der Woche oft sehr einsam - so ohne Arbeit und ohne funktionierendes soziales Umfeld".

 

„Ich will mit diesen einsamen Menschen leben"
Dies ist auch der Grund warum der Kapuzinerpater Clemens Habiger immer wieder hier vorbeikommt: „Ich will mit diesen Menschen leben, die so oft große Einsamkeit spüren", erklärt der 74-jährige. Wie so oft setzt er sich auch an diesem Mittwoch nach seinem Einsatz als Nikolaus an den großen Tisch und schenkt dem einen oder anderen ein offenes Ohr. „Zusätzlich gibt es aber heute für jeden als Nikolaussackerl eine Tasche voller Lebensmittel", erzählt Kellner mit Blick auf eine ganze Reihe voller Papiertüten.

 

Gut zu gebrauchen: Nudeln, Kekse, Fischdosen
Nudeln sind drin, Fischdosen, eine Packung Kekse. „Jeder hier kann eine kleine zusätzliche Unterstützung gut gebrauchen", berichtet Kellner. „Am meisten freuen sich die Menschen hier, wenn sie mit einem zusätzlichen Zwanzger einmal etwas extra kaufen können", fährt der Sofa-Gründer fort: „Zum Beispiel für die alte Mutter, zu der sie eigentlich schon lange keinen wirklichen Kontakt mehr haben". -el-

 

---- INFO ----
Menschen bei Sofa unterstützen:
Sofa ist ein Projekt der sozialen Initiativen in Regensburg und unterstützt sozial schwache Menschen in schwierigen Lebenslagen. Mit einer Spende an „Freude durch Helfen" erhält jeder Teilnehmer des Frühstückstreffs eine kleine finanzielle Unterstützung zu Weihnachten.