„Es liegt noch so viel vor mir“

Maria A. knüpft gerne Fleckerlteppiche.

Maria A. kam mit Kinderlähmung zur Welt – Ihr größter Traum: ein Theaterbesuch

Von Günther Glitschenstein

 

5.Dezember 2015

 

Roding. Eine schwere Behinderung oder chronische Krankheit würde, so glauben viele Menschen, sie auf immer unglücklich machen. Doch tatsächlich können Menschen mit Handicap genauso glücklich oder zufrieden sein wie die Gesunden. Das beste Beispiel hierfür ist die 72-jährige Maria A. Sie kam mit einer Kinderlähmung auf die Welt und ist deshalb halbseitig eingeschränkt. Sie lebt seit 17 Jahren im Augustin-Meierhofer-Wohnheim in Cham und ist, wie sie mit einem herzlichen Lachen sagt, glücklich und zufrieden. „Ich habe nicht viel, aber mir reicht es", meinte sie im Gespräch mit mir, dem Spendenpaten der Aktion „Freude durch Helfen" der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung.

 

Selten habe ich als Betreuer eine so lebenslustige und bescheidene Frau erlebt wie Maria A. Sie ist auf einem kleinen Anwesen in Thierling geboren und in sehr bescheidenen Verhältnissen mit vier Geschwistern aufgewachsen. Das Leben mit wenig Geld und ohne Ärzte sei hart gewesen. Man hat sich halt das Leben eingerichtet. Acht Jahre besuchte sie die Schule in Schorndorf. Aufgrund ihrer halbseitigen Lähmung konnte sie nur im Haushalt aushelfen. 1997 kam sie in das Augustin-Meierhofer-Wohnheim und arbeitete in der Werkstatt für Behinderte, erst in der Schlosserei und später, bis zur Rente, in der Näherei. Heute lebt sie in der Rentnergruppe im Haus, strickt gerne und knüpft Fleckerlteppiche. Es geht immer ein Ratsch zusammen, sagt sie mit einem herzlichen Lachen. Ihre besondere Liebe gehört jedoch der Volksmusik und dem Bauerntheater. In ihrem klapprigen Röhrenbildschirm schaut sie sich jeden Komödienstadl und das Chiemgauer Volkstheater an. Auch die Polizisten „Hubert und Staller" versäumt sie nie. „Ich will immer lachen und fröhlich sein", sagt Maria. Sie liest auch im Monat bis zu fünf Bücher, erzählte sie. Bergromane und Geschichten von früher zählen zu ihrer Lieblingslektüre. „Einsam bin ich nicht, ich will immer Leute um mich haben", erzählt sie. „Ich lasse mich dabei auch nicht kleinkriegen." Wenn es ihr zu viel wird, dann zieht sie sich in ihr Zimmer zurück. Dass sie teils auf den Rollstuhl angewiesen ist, betrachtet Maria nicht als Unglück: „Ich kenne es ja nicht anders." Maria hat sich ihr Leben den Umständen entsprechend eingerichtet. Hilfe bekommt sie von ihren Schwestern, alle 14 Tage wird sie zu ihrem Bruder gefahren. Trotzdem sieht Maria nicht alles rosarot, manchmal grübelt sie über ihr Leben nach. Natürlich gibt es Momente, in denen sie traurig ist.

 

Weil sie eben nicht einfach das machen kann, wonach ihr der Sinn steht. Weil vieles beschwerlich ist oder gar unmöglich. Und weil sie stets um Hilfe fragen muss, wenn sie etwas Größeres möchte. Unabhängigkeit, sagt sie, das wäre schon was. Einfach mal losziehen, spontan, in ein Theater oder Restaurant gehen und bleiben, solange man Lust hat – ganz allein.

 

Die Musik ist wie eine Befreiung für sie. Deshalb hört sie, so oft es geht, Volksmusik an. Wenn man mit ihr redet, deutet sie immer wieder an, manchmal von einer Weltreise zu träumen, über ihre geliebten Berge zu wandern, oder auf einer Bühne zu stehen. Maria ist aber trotzdem glücklich mit ihrem Leben – trotz mancher Schwierigkeiten. „Es liegen noch so viele schöne Dinge vor mir, ich freue mich auf mein Leben", sagt eine ganz außergewöhnliche Frau mit Handicap.

 

Maria wünscht sich, nicht mit einer Gruppe, sondern ganz allein mit einer Betreuung einmal ein Bauerntheater zu besuchen. Vielleicht geht es in den Komödienstadl. „Es kann auch kleiner sein", sagt sie bescheiden und fügt noch hinzu: „Es muss lustig sein, ich will lachen." Auch ein neuer Fernseher wäre nicht schlecht, weil der alte Bildschirm farblich schon sehr nachgelassen habe. Mit einer Spende an die Tagblatt-Benefizaktion „Freude durch Helfen" können Sie die Wünsche von Maria erfüllen!