Wenn die Wohnungssuche zur Katastrophe wird: die Geschichte einer Alleinerziehenden

Sarah H. hat zwei Söhne. Als sich ihr Ehemann von ihr trennt, steht die Frau auf einmal vor den Scherben ihrer Existenz und sucht nun eine Wohnung für die kleine Familie. (Symbolfoto: dpa)

07. November 2014

 

Von Sophie Schattenkirchner

 

Eigentlich, da ist sich die Mitarbeiterin der Caritas sicher, wollte Sarah H. (Name geändert) nur ein schönes Familienleben führen. Die Frau um die 40 Jahre hatte alle Voraussetzungen dafür: einen Ehemann, zwei Kinder, einen Arbeitsplatz und ein gemütliches, eigenes Zuhause. Doch als sich ihr Ehemann plötzlich von ihr trennte, stand die Altenpflegerin auf einmal ohne Wohnung und ohne jegliche Unterstützung da.


„Sarah H. ist nicht das typische Klientel, das zu uns kommt", sagt die Mitarbeiterin der Caritas. Die Altenpflegerin sei „nett, liebevoll und ein bisschen chaotisch, wie du und ich eben". Das Chaotische liege an ihrem Temperament: denn die Altenpflegerin stammt eigentlich aus Südeuropa, wuchs aber in Bayern auf.


Mit zwei kleinen Kindern auf einmal ohne Wohnung
„Die Trennung ging von ihrem Ehemann aus", erzählt die Mitarbeiterin der Caritas – Sarah H. hätte an der Beziehung festgehalten. Er zog zurück zu seinen Eltern, Sarah H. blieb mit den beiden vier und fünf Jahre alten Söhnen im Haus. Es war jedoch klar, dass die Alleinerziehende die Kosten für das Haus nicht stemmen konnte. „Und eine bezahlbare Wohnung zu finden, ist in der heutigen Zeit eine Katastrophe", meint die Mitarbeiterin der Caritas.


Die emotionale Belastung durch die Trennung und der baldige Verlust der Wohnung setzten Sarah H. zu. Hinzu kam noch, dass sich der Ehemann nicht einmal mehr um die Kinder kümmerte. „Als Altenpflegerin arbeitete sie jedoch im Schichtdienst und auch am Wochenende", erklärt die Mitarbeiterin der Caritas. Da sich Sarah H. nicht auf ihren Ehemann verlassen konnte, bekam sie Schwierigkeiten in der Arbeit. Abmahnungen folgten.


Als Sarah H. mit ihren beiden Buben das Haus schließlich verlassen musste, suchte sie verzweifelt nach einer Notlösung. Diese meinte sie bei einem Bauern zu finden, der die kleine Familie auf seinem Hof wohnen ließ. „Das war eine Art Wohngemeinschaft", erklärt die Mitarbeiterin der Caritas. Die Frau und die Kinder mussten sich mit dem Bauern das Badezimmer und die Küche teilen. Pro Monat musste Sarah H. rund 350 Euro an den Bauern zahlen. Der versprach, davon Öl zum Heizen zu kaufen. „Das tat er aber nicht, er gab das Geld anderweitig aus", sagt die Mitarbeiterin der Caritas. „Sie können sich auch vorstellen, wie viel Geld 350 Euro für eine alleinerziehende Altenpflegerin ist."


„Wir dachten: sie bricht uns weg"
Die Frau, deren Vater zwar in Bayern lebt, habe einfach kein soziales Netzwerk. „Sie findet einfach keinen Ruhepunkt", resümiert die Mitarbeiterin der Caritas. Gemeinsam mit anderen Helfern sah sich Sarah H. Wohnungen an, die sie sich leisten könnte – das seien richtige Bruchbuden gewesen. „An diesem Punkt dachten wir: sie bricht uns weg", erinnert sich die Mitarbeiterin. Wer arbeiten geht, sich so bemüht und darum kämpft, wieder ein besseres Leben zu haben, der sei bei einem Rückschlag besonders geknickt. Dies habe auch bei den Kindern emotional Spuren hinterlassen. Eine besondere Hürde stellt die Kaution für eine neue Wohnung dar, teilweise verlangten Makler über 3 000 Euro – eine Summe, die Sarah H. schlichtweg nicht aufbringen kann. Die Mitarbeiterin der Caritas kontaktierte schließlich „Freude durch Helfen", die Spendenaktion der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung. „Es ging sehr schnell und unbürokratisch", erzählt die Mitarbeiterin, die als Patin für Sarah H. fungiert. Die Patin behält das Geld für die Kaution ein, bis die richtige Wohnung für Sarah H. und ihre beiden Söhne gefunden ist. „Denn das ist ihre Chance auf ein gutes Leben", fügt die Patin hinzu.

 

Das Patenprinzip
„Viele Menschen, die oft dringend Hilfe benötigen, wenden sich nicht an ein Amt", erklärt die Mitarbeiterin der Caritas. Daher sei es die Aufgabe von Paten zu erkennen, ob jemand aus dem Verbreitungsgebiet Hilfe braucht. Die Spendenaktion „Freude durch Helfen" der Mediengruppe funktioniert nach dem Patenprinzip: Das bedeutet, dass Personen aus einer öffentlichen Einrichtung für uns als eine Absicherung und Entscheidungshilfe dienen, damit die Spendengelder dort eingesetzt werden, wo sie am meisten gebraucht werden. Die Aufgabe des Paten ist, ein Schreiben mit offiziellem Charakter über die Lebensumstände der bedürftigen Person zu verfassen. Der Pate verwaltet das Geld treuhänderisch. Damit garantieren wir die die Anonymität der betroffenen Person.