Unfall veränderte das Leben von Jörn Preuss

Jörn Preuss mit seinen Kindern, der elfjährigen Cecilia und dem sechsjährigen John. (Fotos: Schmidbauer/privat)

21. November 2014

 

Zweifacher Familienvater ist querschnittsgelähmt – Treppenlift soll eingebaut werden


Frauenzell. (das) Montag, 15. Oktober 2012. An diesem Tag veränderte sich das Leben von Jörn Preuss und seiner kleinen Familie. Von der einen auf die andere Minute war im Leben des zweifachen Familienvaters aus Frauenzell nichts mehr so, wie es vorher war. An diesem Tag erlitt der Mann aus Brennberg bei einem schweren Verkehrsunfall eine Querschnittslähmung. Das junge Ehepaar mit zwei Kindern hatte sich fünf Monate vor dem Unfall ein Eigenheim in dem kleinen Vorwaldörtchen Frauenzell gekauft. Mit viel Liebe wurde alles renoviert und für die kleine Familie hergerichtet.


Alles schien perfekt zu sein, bis das Schicksal an jenem besagten Oktobertag auf erschütternde Weise zuschlug. Es war abends gegen 19 Uhr, als sich Jörn Preuss auf den Weg machte um seine Frau Melanie in Pentling von der Arbeit abzuholen. Als er in das Waldstück zwischen Frauenzell und Wiesent einfuhr, wurde er von einem anderen Autofahrer so stark geblendet, dass er nichts mehr sah. Deshalb kam Preuss ins Schleudern und verlor die Kontrolle über das Fahrzeug, das anschließend in den Straßengraben geschleudert wurde.


Nur durch Zufall entdeckte die Beifahrerin eines später an der Unglücksstelle vorbeifahrenden Autos die Autolichter im Straßengraben. Ihr war es zu verdanken, dass das Auto überhaupt entdeckt wurde. Schwerverletzt und bewusstlos lag Jörn Preuss in dem Autowrack. Die Feuerwehr und Rettungsleute mussten ihn aus dem total demolierten Fahrzeug befreien. Die Hauptschlagadern zum linken Arm und zum rechten Bein waren durchtrennt worden. Jörn Preuss wurde ins künstliche Koma gelegt. Nach Operationen kam er nach 14 Tagen, in denen seine Familie um sein Leben bangte, in die Reha-Klinik Hohe Warte nach Bayreuth. Der zweifache Vater wurde dort, nachdem er seit dem Unfall nun ab dem zwölften Wirbel querschnittsgelähmt ist, auf ein Leben im Rollstuhl vorbereitet. „Es war sehr hart, zu erfahren, dass ich nun nicht mehr gehen kann", sagt der heute 36-jährige Mann. „Aber ich habe in der Reha so viele schlimme Fälle gesehen, dass ich mir immer wieder sagte: Ich muss mein Schicksal so annehmen, wie es ist und wieder nach vorne blicken. Das Wichtigste und Wertvollste in der Zeit des Begreifens, des Verstehens, des Lernens und des Annehmens des Schicksalsschlages für mich war, dass meine Frau Melanie und meine gesamte Familie immer zu mir gestanden hat und mich mit ihrem Einfühlungsvermögen immer unterstützten." Das Eigenheim aber, das die Familie kurz vor dem Unfall erworben hatte und sich an einer Hanglage befindet, ist nicht behindertengerecht. Der Hauseingang kann nur über mehrere Treppen betreten werden. Zu der bereits bestehenden finanziellen Belastung durch den Hauskauf bewältigte die kleine Familie schon den Einbau eines Treppenlifts, der zum Obergeschoss des Wohnhauses führt. Die Pflegekasse beteiligte sich nur mit 2 500 Euro an den Gesamtkosten von 10 000 Euro.

Jörn Preuss Treppe

Dringend benötigt wird ein weiterer Treppenlift. (Fotos: Schmidbauer/privat)

Der ehemalige Mitarbeiter einer Zeitfirma meistert sein Dasein im Rollstuhl beispiellos und bewundernswert. Täglich muss er – wenn er außer Haus will – auf seinem Gesäß die steile und enge Treppe ins Untergeschoss hinunter- und später wieder hinaufrutschen. Daneben braucht Jörn Preuss eine Person, die ihm den Rollstuhl hoch- oder runterträgt und die ihm das Hilfsmittel quer durch die Wohnung nachfährt, bis er an der Wohnzimmercouch die Möglichkeit hat, sich hochzuziehen und wieder in seinen Rollstuhl zu gelangen. Preuss macht nach einem Jahr Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt eine Umschulung zum Automobilkaufmann beim Autohaus Hünn in Wörth. „In dem Familienunternehmen fühle ich mich sehr wohl und die Arbeit macht Spaß", sagt der gebürtige Rostocker. Um dem Familienvater den Tagesablauf im normalen Alltagsleben zu erleichtern, soll nun ein zweiter Treppenlift ins Untergeschoss und zur Garage eingebaut werden. Die Maßnahme kostet etwa 8 000 Euro.