Einmal pro Woche zur Chamer Tafel

Anna M., eine ehemalige Artistin, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Besuch bei Circus Krone.

05. Dezember 2014

 

Von Günther Glitschenstein

 

Roding. Noch einmal den Geburtsort wiedersehen, einmal in einem Restaurant essen gehen, ganz vorne in einem Zirkus zu sitzen, oder einfach nur sein defektes Lieblingsmusikinstrument repariert zu bekommen – das sind Wünsche, die sich manche Menschen, die in einem Pflegeheim leben, nicht so leicht erfüllen können. Die Aktion „Freude durch Helfen" der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung möchte älteren Menschen, die für ihre Träume kein Geld haben, Wünsche erfüllen und bittet um Spenden im Rahmen der vorweihnachtlichen Zeit.


Einsamkeit ist eine Problematik, die nicht selten bei Senioren auftritt. Die Gründe für die Vereinsamung können unterschiedlich sein. Die Abnahme der sozialen Kontakte kommt unter anderem durch die verminderten Möglichkeiten zustande, sich außer Haus und unter Menschen zu begeben. Neben den äußeren Einflüssen spielt aber auch eine große Rolle, wie mit dem Alleinsein umgegangen wird.


Eine gute Voraussetzung, nicht zu vereinsamen, ist eine intakte Familie mit den eigenen Kindern, die in der Nähe wohnen. Viele Angehörige kümmern sich sehr liebevoll um ihre Heimbewohner. Doch durch eingeschränkte Mobilität fehlt vielen Senioren die Möglichkeit, das Pflegeheim zu verlassen und unter Leute zu gehen. Viele Seniorenheime verfügen beispielsweise über Cafés, die als zentrale Orte für Begegnungen mit Besuchern dienen. Es wird auch ein vielseitiges Programm, wie Seniorengymnastik, Gedächtnistraining, Basteln, Malen oder Kartenspielen, zur Abwechslung angeboten. Aber der Wunsch, einfach mal rauszukommen, etwas anderes zu sehen, ist auch verständlich. Jedoch mit einem geringen Taschengeld sind Ausflüge, die mit einem größeren pflegerischen Aufwand verbunden sind, nicht zu realisieren.


Als langjähriger ehrenamtlicher Betreuer bin ich einer der beauftragten Paten, der für die sachgemäße Verwendung der Spendenaktion „Freude durch Helfen" verantwortlich zeichnet. Sicherlich gibt es im Tätigkeitsfeld eines Betreuers viele bedürftige Menschen. Insbesondere in der Weihnachtszeit bemühen sich auch viele Organisationen um Härtefälle. Ich möchte aber hier zwei Menschen stellvertretend vorstellen, die sich gerne einen Traum erfüllen würden.


Anna träumt vom Zirkus
Anna M. ist 74 Jahre alt und lebt, nach einem Unfall querschnittsgelähmt, seit vielen Jahren in einem Pflegeheim. „Rundum gut versorgt", wie die fröhliche Anna sagt. Anna ist 1940 in einem Zirkuswagen in Deggendorf geboren worden. Ihr Opa hat damals den kleinen Circus „Carlo" betrieben. Anna ist mit dem Zirkus aufgewachsen und hat, im Rhythmus von 14 Tagen, ganz Deutschland bereist. Mit neun Jahren wurde sie zur kleinen Artistin herangebildet. Sie erinnert sich noch gut an die vielen Brücken, Räder und Spagate, die ihr abverlangt wurden. Als 16-Jährige hatte sie auch einen Gastauftritt im Circus Krone. Mit 17 Jahren trat sie mit ihren drei Brüdern erstmals am Hochtrapez auf und sprang in der Folge auch den dreifachen Salto. Als ihr Bruder abstürzte, sich zum Glück nicht schwer verletzte, übernahm 1961 ihr Vater den Zirkus mit den vielen Tieren und Wägen, die noch von Traktoren gezogen wurden. Mit 21 Jahren bezog sie erstmals eine feste Wohnung und heiratete „ihren Klaus", mit dem sie eine Tochter großzog.


Ein Unfall änderte schlagartig ihr Leben und zwang sie in den Rollstuhl. Anna kommt ohne fremde Hilfe nur noch bis auf die Terrasse des Heimes. Sie träumt immer wieder von der Zeit im Zirkus. Wie gerne würde sie einmal eine Vorstellung des Circus Krone besuchen und Zirkusluft schnuppern. Da Anna bei einer Fahrt liegend, mit den entsprechenden pflegerischen Begleitmaßnahmen und Fachpersonal, transportiert werden müsste, ist der Aufwand relativ groß. Von der Krankenkasse oder vom Bezirk werden die Kosten nicht übernommen. Mit den Spenden soll Annas Traum erfüllt werden.


Gisela liebt Musik
Gisela lebt ebenfalls in einem Heim. Seit über dreißig Jahren ist ihr Alltag von der lebenserhaltenden Dialyse geprägt: seit 30 Jahren, Montag, Mittwoch und Freitag für jeweils vier Stunden an der belastenden Dialyse. Da bleibt nicht viel Zeit für Unternehmungen. Ihr Körper braucht viel Ruhe. Gisela liebt die Musik, sie bastelt gerne und ist trotz ihrer Krankheit eine lebenslustige Frau geblieben. Ihr Wunsch wäre es, einmal in ein Konzert zu gehen. Oft träumt sie von Stargeiger André Rieu. Aber viel ist nicht zu realisieren, weil sie mit dem Taschengeld des Sozialamtes auskommen muss. Vielleicht kann auch ihr Wunsch erfüllt werden.