Rückkehr der Lebensfreude und Zuversicht

Mit Zuversicht in die Zukunft: Alexander Käss, der nach seiner Krebserkrankung 18 Chemotherapien überstanden hat, mit seinen Eltern Petra und Hans. (Foto: Raith)

31. Januar 2015

 

Alexander Käss hat nach der Erkrankung an Knochenkrebs 18 Chemotherapien überstanden

Von Josef Raith

 

Wörth/Köfering. Die Lebensfreude kehrt zurück. Reines Glücksgefühl und Erleichterung bestätigen die strahlenden Augen von Petra und Hans Käss, die bedrückende Monate voller Kummer und Sorge um ihren Sohn Alexander überstanden haben. Der zehnjährige Bub, der an einem seltenen und aggressiven Knochentumor erkrankt ist, eine komplizierte Teilamputation des rechten Beins verkraftet und die schwere Last von 18 Chemotherapien innerhalb eines Jahres ertragen hat (wir berichteten), wehrt sich mit aller Macht gegen die furchtbare Krankheit. Seine Entschlossenheit, sein Eifer und froher Mut stärken die Zuversicht auf eine bessere Zukunft.


Nichts ist dieser Familie erspart geblieben, die in schlimmer Zeit aber auch Hilfsbereitschaft, Solidarität und Wohlwollen erfahren hat. Sehr dankbar sind die Eltern der Köferinger Dorfgemeinschaft, dem Unternehmer Hans Piendl aus Wörth, den Ärzten bei „Kuno" und den aufgeschlossenen Menschen, die bei der Weihnachtsaktion „Freude durch Helfen"der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung gespendet und einen Beitrag zur Finanzierung der Umbaumaßnahmen im Eigenheim geleistet haben.


Seit Anfang Januar ist Reha Eden in Donaustauf das tägliche Ziel. Mutter oder Vater sind immer an seiner Seite. Der junge Patient, dessen Füße gerade richtig gedrückt, gedehnt und gestreckt werden, verhält sich vorbildlich. Er macht mit. Und nicht nur das. Ein Handstand in diesem Stadium der Regeneration? Völlig ausgeschlossen? Von wegen! Alexander Käss, dessen Schicksal große Aufmerksamkeit gefunden und viele Herzen berührt hat, beweist es. Nicht nur einmal. Und er bekommt den anerkennenden Beifall für diese bemerkenswerte Leistung. Dieser Zuspruch ist es, der das Selbstbewusstsein aktiviert, Sicherheit gibt und den Optimismus fördert, dass der Genesungsprozess positiv verläuft und die intensive Reha eine wirksame Hilfe ist. Der unverdrossene Kämpfer mit dem eisernen Willen, der bei der Bewertung „klein" sofort Einspruch einlegt, lässt nicht locker. In der Tat ist ist ein Großer, weil er durchhält, weil er dem Krebs die Stirn bietet und in seinen jungen Jahren schon viel zu viel auf sich nehmen musste.

 

Und es geht aufwärts. Die Haare wachsen wieder, das Gewicht hat sich auf jetzt 20 Kilogramm leicht erhöht, der Umgang mit der Prothese ist längst kein Problem mehr. Und er ist keineswegs kleinlaut. Er beschwert sich auf der Stelle bei seinen Physiotherapeuten, wenn es bei der Mobilisierung der Muskulatur schmerzt und zwickt. Blendend versteht er sich mit Martin Sleczka, zu dem sich auf Anhieb ein enger Bezug ergeben hat. Da darf er gerne mal schimpfen, tadeln und mahnen. „Er macht große Fortschritte und entwickelt sich ausgesprochen gut", lobt Martin Sleczka seinen jungen Freund aus Köfering, der ihm „höchsten Respekt" abverlangt. Von Anfang der vierwöchigen Reha an sind sie sich nahe. Alexander Käss weiß sich bei ihm und bei Marius Hinterleitner, bei Miriam Eder und dem Sportwissenschaftler Tobi Soller von Montag bis Freitag in besten Händen. Die Übungseinheiten in Verbindung mit dem koordinierten Training an den Geräten im Fitnessraum verbrauchen allerdings jede Menge Energie. Nach einem anstrengenden Vormittag ist er jedenfalls ziemlich geschafft, erschöpft und müde. Ruhe, Rast und Pause braucht sein stark geschwächter Körper danach, die nachhaltige Verbesserung der körperlichen Kräfte verlangen Zeit, Geduld und Beharrlichkeit. Die Verlängerung der ambulanten Behandlung würde nach der Empfehlung des Physiotherapeuten definitiv Sinn machen. Petra und Hans Käss wollen sich um die Fortsetzung bemühen, nicht zuletzt deshalb, weil sie mit der Qualität der Betreuung und Behandlung im Haus Eden rundum zufrieden sind. „Erstklassig aufgehoben" fühlen sie sich in dieser Einrichtung, die es ermöglicht hat, dass Alexander in seiner gewohnten Umgebung bleiben kann. Auch das ein enormer Vorteil.

 

Unmittelbar nach der Reha wartet die nächste Herausforderung auf dem beschwerlichen Weg zurück zur Normalität. Alexander muss wieder die Schulbank drücken. Ein weiterer großer Schritt, der Richtung Alltag führt. Wie nehmen ihn die Mitschüler auf? Gelingt die Integration in die neue Klassengemeinschaft? Findet er Anschluss, Kontakt, verständnisvolle, entgegenkommende und hilfsbereite Freunde, die es gut mit ihm meinen? Lernt er leicht und gut? Auch diese Fragen beschäftigen die Eltern, denen schon bewusst ist, dass ihr Sohn noch einige Prüfungen zu bestehen hat. An ihrer festen Überzeugung ist aber nicht zu rütteln: Dieser clevere Bursche schafft das!

 

Zuhause in Köfering haben sich die Umstände schon der neuen Situation angepasst. Vergangenheit ist die Pflicht, auf ein weitgehend steriles und keimfreies Heim zu achten. Jetzt darf wieder ein Teppich ins Zimmer von Alexander oder ein Blumenstrauß in die Küche. Und die Flasche Limonade kann ganz im Gegensatz zu den früheren Faustregeln auch mal länger als 24 Stunden geöffnet sein.

 

Eine Hausaufgabe bleibt noch zu erfüllen. Hans Käss, der beim Schulverband Alteglofsheim als Hausmeister arbeitet, trifft schon Vorbereitungen für die nächste Initiative zur behindertengerechten Umgestaltung des Eigenheims. Nach dem Einbau des Außen- und Treppenlifts wird im Sommer das Bad saniert. Wieder greift die Familie tief in die Tasche. Der finanzielle Aufwand für alle Maßnahmen liegt bei etwa 85 000 Euro. Die Zukunft nimmt Formen an. Geprägt ist sie vor allem aber von der einen Hoffnung, dass der Wendepunkt erreicht und der Krebs besiegt ist.