„Ich will nicht betteln, niemals“

Anna M. braucht dringend orthopädische Schuhe, um auch im Winter aus dem Haus gehen zu können. (Foto: dpa)

23. Dezember 2014

 

61-Jährige bekommt nur kleine Rente – Geld reicht nicht für orthopädische Schuhe


Waldmünchen. Gesundheit, das ist es, was sich Anna M. (Name von der Redaktion geändert) am meisten wünscht. Die 61-Jährige ist es gewohnt, mit wenig auszukommen, auch mit einer kleinen Rente von nur 250 Euro im Monat. Damit kommt sie gerade so über die Runden, doch für orthopädische Schuhe, die sie so dringend bräuchte, reicht es nicht. Dabei hat Anna M. ihr Leben lang in unterschiedlichen Branchen gearbeitet – seit ihrem 16. Lebensjahr. Die schwere Arbeit – von morgens bis abends auf den Beinen und langes Stehen – hinterlässt Spuren. Die Hüfte ist abgenutzt, wegen der Schmerzen kann Anna M. nicht mehr Vollzeit arbeiten. „Über 50 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen bekommt man nur noch Aushilfsjobs", erzählt die mittlerweile 61-Jährige in einem Gespräch mit unserer Zeitung.


2008 schließlich bekommt sie ein neues Hüftgelenk. Doch statt der erhofften Genesung beginnt für die Frau aus dem Altlandkreis Waldmünchen nach der Operation ein langer Leidensweg. Sie bekommt eine Infektion, hat einen offenen Fuß und dann zieht sie sich bei einem Sturz auch noch einen Oberschenkelbruch zu. Über zweieinhalb Jahre verbringt Anna M. in diversen Krankenhäusern. Mittlerweile hat sie die Infektion überwunden, ist aber auf eine Gehhilfe angewiesen. Ihre frühere Tätigkeit kann sie deshalb nicht mehr ausüben – doch für die Rente ist sie noch zu jung.

 

Die Odyssee geht weiter, diesmal in Sachen Bürokratie. Die ständigen Vorsprachen bei Ämtern und Behörden, das Ausfüllen von Anträgen, die sie zum Teil nicht versteht, zermürben sie. Irgendwann kann sie nicht mehr, der Stress wird ihr zu viel, resigniert gibt sie auf. „Ich will nicht betteln, niemals", das betont Anna M. immer wieder. In ihrer Not wendet sie sich schließlich an den VdK. Dem Sozialverband gelingt es, für Anna M. eine Rente durchzusetzen. Mehr als 250 Euro sind es aber nicht, obwohl Anna M. ihr Leben lang gearbeitet hat. Damit muss die 61-Jährige nun auskommen, Miete und täglichen Bedarf bestreiten. Spezialgefertigte orthopädische Schuhe, die Anna M. dringend bräuchte, kann sie sich nicht leisten. Mit Schuhgröße 44 ist es ohnehin schwierig, preiswerte Damenschuhe zu finden. Wenn es in dieser Größe überhaupt etwas gibt, dann nur zu „Wucherpreisen".


„Ich lebe halt auf großem Fuß", sagt Anna M. in einem Anflug von Humor, den sie sich trotz allem bewahrt hat. So nimmt sie ihr Schicksal hin und läuft Sommer wie Winter in offenen Pantoletten. Doch sobald es richtig kalt wird, Schnee oder Regen fällt, kann sie damit nicht mehr vor die Tür. Zu groß ist die Gefahr, dass sie ausrutscht und erneut stürzt. Das möchte die 61-Jährige keinesfalls riskieren; Schließlich ist sie froh, die Infektion überwunden zu haben und hofft, dass das möglichst lange so bleibt. Ganz ausschließen, dass die Infektion wieder ausbricht, können es die Ärzte nämlich nicht.

 

Weihnachten ist für Anna M. ein ganz normaler Tag, große Wünsche hat sie nicht. Sie ist es gewohnt, mit ihrer äußerst geringen Rente über die Runden zu kommen. Speziell für sie gefertigte orthopädische Schuhe sind ihr einziger Weihnachtswunsch, damit wäre sie glücklich: „Dann könnte ich auch im Winter und bei schlechtem Wetter aus dem Haus." - ab -