Wenn eine kleine Feuerwehrstation das Größte ist

Christa Killinger vom Jugendamt über die Wünsche bedürftiger Kinder und Jugendlicher


Eine kleine Feuerwehrstation, ein gebrauchtes Fahrrad oder gemeinsame Aktivitäten mit der Mama: Das sind die Wünsche bedürftiger Kinder und Jugendlicher. Wir sprachen mit Christa Killinger, die seit 40 Jahren im Jugendamt tätig ist, über diese kleinen Wünsche, die Lebensumstände dieser jungen Menschen und darüber wie durch Spenden von „Freude durch Helfen" bisher geholfen wurde.


Straubinger Tagblatt: Frau Killinger, jedes Jahr zur Weihnachtszeit wenden Sie sich an „Freude durch Helfen".

Christa Killinger: Ja. Seit November sind bei uns rund 30 Fälle eingegangen von Familien, die eine Spende bekommen sollen. Es handelt sich dabei meistens um Familien, die wir kennen und betreuen. Ein Großteil von ihnen bezieht Hartz IV. Die Eltern können ihren Kindern jetzt zur Weihnachtszeit ohne eine Spende nicht einmal ein kleines Geschenk oder warme Winterkleidung kaufen.

 

Wie gehen Sie dann vor?

Wir betreuen zum Beispiel eine Frau, die Mutter von acht Kindern ist. Nur die beiden Jüngsten leben noch bei ihr – auch das ist derzeit nur durch die Familienhilfe möglich. Wir überweisen das Geld, das wir von der Benefizaktion „Freude durch Helfen" erhalten, an die Familienhilfe. Die Mitarbeiter wiederum gehen mit der Frau einkaufen, damit sie für die Kinder Wintersachen und vielleicht ein Weihnachtsgeschenk besorgen kann. Wir kennen die Mitarbeiter der Familienhilfe, sie legen uns am Schluss die Quittungen der Einkäufe vor.

 

Sie achten also ganz genau darauf, wofür das Geld verwendet wird.

Absolut. Wir sind verpflichtet, das ordnungsgemäß abzuwickeln. In manchen Fällen arbeiten wir auch mit Firmen zusammen, wie zum Beispiel Expert oder Möbel Wanninger. Dann schicken wir den Spendenbetrag an die Firma und in Höhe dieses Betrags können die Leute die für sie notwendigen Möbel kaufen.

 

Aber nicht nur Sie entscheiden, wem geholfen werden soll...

Ja, denn zum Beispiel informiert uns die sozialpädagogische Familienhilfe oder wir erhalten Vorschläge vom Amt für Soziale Dienste. Erst neulich hat sich eine Sozialpädagogin an uns gewandt, da einer ihrer Klienten dringend eine Couch braucht. Wir schätzen an „Freude durch Helfen", dass wir schnell und unbürokratisch die Spenden weitergeben können und dass das Geld zu 100 Prozent bei den Bedürftigen ankommt.

 

Wie reagieren die Bedürftigen, wenn sie erfahren, dass sie eine Spende bekommen?

Wir schicken ihnen ein Schreiben, indem wir sie über die Spende informieren, aber auch darüber, dass sie uns die Quittungen vorlegen müssen. Die Reaktionen sind natürlich sehr positiv. Manche fragen uns: „Bei wem kann ich mich bedanken?" Einige bedanken sich mit einer Mail oder einer Weihnachtskarte. Ich kann mich erinnern, dass uns ein Kind einmal als Dankeschön ein Bild gemalt hat. Obwohl wir es ja nicht sind, von denen das Geld kommt. (lacht)

 

Mit den Spenden aus der Benefizaktion werden aber nicht nur Weihnachtsgeschenke finanziert, sondern auch Dinge für den Alltag.

Natürlich haben Familien die Spenden auch schon für Waschmaschinen, einen Ofen oder Heizöl gebraucht. Für einen jungen Mann wurde zum Beispiel ein Teil der Stromschulden übernommen. Der außergewöhnlichste Fall war einmal eine alleinerziehende Frau, die um eine Spende bat, damit sie sich eine Fuhre Brennholz kaufen kann. Damals ist für ihre Tochter das Schulgeld angefallen und obwohl die Frau Teilzeit jobbte, reichte das Geld einfach nicht. Sie hat sich diese Fuhre extra aus Tschechien bringen lassen, da dies noch günstiger war. Letztendlich hat sie uns die Quittung vorgelegt – auf Tschechisch.

 

Durch die Weihnachtsaktion von „Freude durch Helfen" sollen auch Bedürftige einen schönen Heiligen Abend verbringen können. Was wünschen sich die Kinder und Jugendlichen?

Für viele Eltern ist es sehr wichtig, dass ihre Kinder nicht spüren, wie arm die Familie eigentlich ist. Wir merken auch, dass viele Mamas Spielzeug zu Weihnachten sehr sinnvoll einkaufen und darauf achten, ihre Kinder zu fördern. Da hatten wir den Fall einer alleinerziehenden Frau, deren Ex-Mann im Obdachlosenheim lebte und keinen Unterhalt bezahlte – durch eine Spende aus „Freude durch Helfen" bekam ihr Kind warme Winterkleidung zu Weihnachten. Eine andere Mutter, die sich von ihrem Partner getrennt hat, wünschte sich für sich und ihre Kinder eine finanzielle Unterstützung für gemeinsame Aktivitäten. Die Kinder und sie selbst hatten zuvor viel mitgemacht, waren sogar häuslicher Gewalt ausgesetzt. Durch die Spende konnte die Mutter mit den Kindern das ganze Jahr über etwas unternehmen. Das war sehr wichtig für die Familie. Eine weitere Mutter schrieb uns, dass sich ihr Sohn ein Fahrrad wünscht und betonte, dass es auch kein Neues sein muss. Einen Teil davon bezahlte sie, aber durch die Spende fiel ihr das natürlich viel leichter.

 

Wenn Sie von Ihren Fällen sprechen, fällt auf, dass sich vor allem alleinerziehende Mütter an Sie wenden.

Ja, das stimmt. Viele von ihnen sind auf Hartz IV angewiesen, manche arbeiten sogar Teilzeit, aber das Geld reicht einfach nicht. Sie können nicht einmal Kleinigkeiten für ihre Kinder kaufen.

 

Erinnern Sie sich noch an ein Kind, das durch eine Spende aus „Freude durch Helfen" ein ganz besonderes Weihnachtsfest hatte?

Eine alleinerziehende Mutter hat uns geschrieben, dass ihr kleiner Bub in der Kinderkrippe so gerne mit einer Lego-Feuerwehrstation spielt und dass sie ihm das so gerne kaufen würde. Sie meinte, sie möchte einfach mal ganz vorsichtig bei uns nachfragen. Wir haben daraufhin ein Schreiben an die Tagblatt-Benefizaktion verfasst. Die Mutter hat 100 Euro aus diesem Spendentopf bekommen und für ihren Jungen eine kleine Feuerwehrstation und eine Werkbank gekauft. Sie hat uns Fotos geschickt von dem Bub mit einem kleinen Feuerwehrauto und dazugeschrieben: „Das Strahlen der Kinderaugen ist nicht zu beschreiben." So etwas berührt mich natürlich sehr.

 

Interview: Sophie Schattenkirchner

Christa Killinger (rechts) vom Jugendamt kümmert sich um Vormund- und Pflegschaften. Gemeinsam mit Gerlinde Lukas (links) geht sie die Fälle durch.