„Und dann kam plötzlich dieser Brief ...

Die vierköpfige Familie landet womöglich auf der Straße, weil sie die Kaution für ihre Mietwohnung nicht bezahlen konnte. (Foto: tg)

Vermieter kündigt Familie mit behindertem Kind – Kein Geld für Kaution


Von Smaragda Giannouli


Landshut/Landkreis. Die junge Familie aus einer Gemeinde im nördlichen Landkreis Landshut traf es wie ein Schlag: Ihr Vermieter kündigt unerwartet den Mietvertrag. Die Familie müsse fristgerecht zum 28. Februar ihre Wohnung verlassen. Grund für die plötzliche Kündigung: Die Kaution für die Mietwohnung sei noch nicht bezahlt worden. Doch das Geld ist knapp für die Eltern zweier fünf- und siebenjähriger Jungen. Der ältere Sohn ist ein Pflegefall.


„Unser Ältester leidet an einer Entwicklungsstörung, was womöglich auf Komplikationen bei der Geburt zurückgeht. Eine genaue Diagnose gibt es aber nicht", erklärt die Mutter des Kindes.

Der Siebenjährige sei im Pflegegrad 3 eingestuft worden. „Manchmal verhält er sich wie ein ganz normaler Junge seines Alters, und dann plötzlich wieder, als wäre er erst drei", wie die Frau gegenüber der LZ erklärt.

 

Zudem reagiere er extrem auf Veränderungen: „Dann nässt und kotet er sich ein, und es ist, als müsste man bei Null anfangen", beschreibt sie die schwierige Situation zuhause: „Vor zwei Jahren musste ich mich einer komplizierten Operation unterziehen. Danach kamen drei Monate Reha auf mich zu und ich war zwölf Wochen lang im Rollstuhl. Damit konnte er nicht umgehen und hatte einen schlimmen Rückfall. Er braucht wahnsinnig viel Zuwendung. Ich musste mit ihm beruflich sehr zurückstecken, es ging einfach nicht anders."

 

Die 32-Jährige war früher Verkäuferin und arbeitet nunmehr als Reinigungskraft auf 450-Euro-Basis: „Ich würde ja mehr arbeiten, aber das ist wegen unseres Sohnes praktisch nicht möglich." Bei einem Umzug in eine neue Wohnung befürchtet sie eine dramatische Verschlechterung seines Zustandes. Ganz abgesehen von der schwierigen Wohnungssuche und dem damit verbundenen finanziellen Aufwand.

 

„Gesetzlich ist der Vermieter ja im Recht, denn wir haben die Kaution seit unserem Einzug vor zwei Jahren noch nicht bezahlt", erklärt die Frau. Die Familie hatte ihre eigene Situation damals unterschätzt und war bisher nicht in der Lage gewesen, den ausstehenden Betrag in Höhe von 1 000 Euro zu bezahlen: „Als wir einzogen, war mein Mann gerade arbeitslos, und der Vermieter wollte uns helfen, indem er sagte, wir könnten uns Zeit lassen mit der Kaution. Natürlich hatten wir vor, die offene Rechnung so schnell wie möglich zu begleichen."

 

Ihr Ehemann habe daraufhin den Bus-Führerschein und eine Ausbildung zum Busfahrer gemacht. In diesem Beruf arbeitet er jetzt und verdient rund 2 000 Euro brutto. Von dem gemeinsamen Verdienst bleibe der vierköpfigen Familie jedoch meist nichts übrig, um etwas auf die Seite zu legen. Die Miete betrage 650 Euro im Monat, dazu kämen sonstige Rechnungen wie Strom und Telefon sowie monatliche Raten von 300 Euro für Altschulden. Das Ehepaar ist sich im Klaren darüber, dass sie die Bezahlung der Kaution lange herausgezögert hatte. Doch der Vermieter hätte nie ein Problem daraus gemacht, weshalb die Kündigung unerwartet kam. Vor kurzem erst hatte der 35-jährige Familienvater dem Vermieter bei einem Besuch vorgeschlagen, sich zusammenzusetzen, um eine Ratenzahlung zu vereinbaren – es schien alles in Ordnung zu sein. Doch wenige Tage später lag das Kündigungsschreiben im Briefkasten. Auch die Hoffnung der Familie, ihren Vermieter durch die Bezahlung der 1 000 Euro noch umstimmen zu können, ist geplatzt: „Er lässt überhaupt nicht mehr mit sich reden", erklärt die Frau verzweifelt. „Er sagte, wir seien zudem zweimal mit der Miete im Verzug gewesen. Aber er hat sein Geld immer bekommen. Das hatte damals seine Gründe, die wir ihm auch erklärt hatten: Ich hatte gerade einen neuen Job begonnen und die Bezahlung hatte sich verzögert", so die zweifache Mutter.

 

Die Spendenaktion sei ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Familie, zumindest etwas Geld für den Umzug in eine neue Wohnung aufzubringen. An den leeren Gabentisch an Weihnachten für ihren kranken Sohn und seinen kleinen Bruder möchte die junge Mutter gar nicht erst denken. „Wir wünschen uns ganz fest noch eine letzte Chance, das hinzukriegen und nicht auf der Straße zu landen. Das ist gerade das Wichtigste."