Eine Delfintherapie vor acht Jahren sorgte für eine schlagartige Verbesserung von Felix' motorischen Fähigkeiten. (Foto: Bernhard Schimek)

Für Bernhard Schimek steht sein schwerbehinderter Sohn immer an erster Stelle

 

Von Thomas Simon


Moosthenning. Bernhard Schimek sitzt an seinem Klavier. Behutsam streichelt er die Tasten, bevor er beginnt zu spielen. Die ersten Töne des deutschen Volkslieds „Du liegst mir im Herzen", das schon Marlene Dietrich zum Besten gab, erschallen im Wohnzimmer eines Bungalows in Moosthenning. Bernhard Schimek spielt das Lied für seinen Sohn Felix, der neben dem Klavier auf einer braunen Ledercouch sitzt. Felix fängt an zu Lachen und versucht den Text mitzusingen. „Duuuuu", singt er so laut er kann. Viel mehr Worte lässt sein Zustand nicht zu.


„Felix kam 2000 mit einem mehrfachen Herzfehler und einem seltenen Gendefekt auf die Welt – Trisomie 8", erzählt Schimek. Der Abstand zwischen Augen und Ohren sei nicht wie bei gesunden Kindern. Auffallen würde das einem Außenstehenden aber nicht. Felix ist lediglich kleiner als gleichaltrige 16-Jährige.


Nach einer eigentlich gut verlaufenen Herzklappen-OP im Juni 2006 kam es zu Komplikationen. Der Kehlkopf schwoll zu, Felix' Gehirn wurde nicht mehr mit genug Sauerstoff versorgt. Der damals Sechsjährige musste mehrere Minuten lang reanimiert werden. Letztendlich gelang es den Ärzten, Felix zurück ins Leben zu holen. Der Alltag der Familie Schimek änderte sich nach der schweren Operation jedoch schlagartig. Ihr Sohn war plötzlich körperlich und geistig schwerbehindert.

 

Eine ungetrübte Kindheit bis zur Herz-OP 2006

Die ersten sechs Lebensjahre von Felix verliefen relativ harmonisch. Er musste zwar als Kleinkind schon mehrere Herzoperationen über sich ergehen lassen. „Nachdem er sich davon erholt hatte, ging es ihm aber gut", sagt Schimek. Felix konnte in der Wohnung oder auf Spielplätzen herumtoben. Sprechen lernte er aufgrund seines angeborenen Gendefekts nur langsam. „Er konnte sich aber durchaus verständigen", erzählt Schimek. Seit dem schicksalhaften Tag am 30. Juni 2006, dem Tag der OP, ist alles anders. Vier Monate verbrachte er in verschiedenen Krankenhäusern, bis er wieder zurück nach Hause durfte. Felix sitzt inzwischen im Rollstuhl, hat nur noch eine Sehkraft von fünf Prozent und kann nur schwer sprechen.


Aufgrund der Behinderung ist der Tagesablauf der Schimeks fest durchgeplant. Felix wird jeden morgen um fünf Uhr von seinem Vater geweckt. Nachdem er angezogen und gewickelt wurde, holt ihn ein Bus ab und bringt ihn in die Bildungsstätte St. Wolfgang nach Straubing. Dort wird er rundum betreut und erhält verschiedene Therapien. Wenn Felix wieder nach Hause kommt, steht das Mittagessen schon auf dem Tisch. Bernhard Schimek hat es passiert und füttert seinen Sohn damit: „Wenn ich das nicht mache, besteht die Gefahr, dass Felix sich verschluckt und übergeben muss."


Nachmittags kommt oft Felix' Großvater vorbei und fähr seinen Enkel im Dorf spazieren. Anschließend macht Bernhard Schimek, der ausgebildeter Krankenpfleger ist, Übungen mit Felix, um seiner Spastik entgegenzuwirken. Erst nachdem Schimek seinen Sohn ins Bett gebracht hat, hat er Zeit für sich selbst. Sein ständiger Begleiter ist dann ein Baby-Phone. „Felix schläft zwar eigentlich recht ruhig, aber sicher ist sicher", sagt Schimek.


Felix Zustand hat sich die vergangenen acht Jahre langsam gebessert. Seine Entwicklung hat Bernhard Schimek auf Videos aufgenommen. Felix' Beweglichkeit war nach der OP deutlich eingeschränkter als heute. Die positive Veränderung kam 2009 dank einer zehntägigen Delfintherapie im türkischen Marmaris. „Die Therapie hat Wunder gewirkt", sagt Schimek. Der Kontakt mit dem Delfin und die Laute, die das Säugetier abgegeben hat, haben diverse Hirnregionen bei Felix aktiviert. Der Schluckreflex und auch die Fähigkeit, einzelne Worte zu formulieren, verbesserten sich wieder. Felix' Eltern schöpften neuen Mut. Dann folgte ein weiterer Schicksalsschlag. Felix' Mutter Birgit erkrankte an Krebs

Bernhard Schimek ist ein liebevoller Vater, der für seinen behinderten Sohn Felix alles tun würde. (Foto: ts)

Vater und Sohn plötzlich ganz alleine

Bernhard Schimek musste sich nun nicht mehr nur um Felix kümmern, sondern auch seine Frau pflegen. „Das war schon eine enorme Belastung", sagt Schimek. Er atmet tief durch und blickt zu seinem Sohn. „Geschafft haben wir trotzdem alles, stimmt's Felix?" Der 16-Jährige zeigt keine Reaktion. Erst als sein Vater nach seiner Hand greift und sie streichelt verändern sich Felix' Gesichtszüge. Er lächelt. Bernhard Schimek erzählt weiter: Der Zustand seiner Frau habe sich zwischenzeitlich zwar wieder gebessert, im Frühjahr 2015 verlor sie den Kampf gegen den Krebs aber endgültig. Birgit Schimek starb – mit nur 46 Jahren – und ließ ihren Mann und Felix alleine zurück.

 

Woher er die Kraft nehme, nach all den Schicksalsschlägen nicht aufzugeben, könne Schimek selbst nicht erklären: „Ich bin kein religiöser Mensch. Ich habe eine feste Struktur im Leben und der folge ich." Schimek versucht, das Leben positiv zu sehen. „Den Felix habe ich ja noch."

 

Mit ihrer Spendenaktion „Freude durch Helfen" möchte die Mediengruppe Landshuter Zeitung/Straubinger Tagblatt Bernhard Schimek dabei unterstützen, seinem Sohn Felix eine zweite Delfintherapie zu ermöglichen. Die Kosten von rund 9 000 Euro werden von der Krankenkasse nicht übernommen.