Landkreis mit Herz

Verein zur Hilfe für Menschen in Not gegründet – Landrätin Schweiger: „Es soll jedem gut gehen"

 

Von Thomas Hossfeld

 

Regensburg/Landkreis. „Eine Gesellschaft kann nur dann glücklich und in Frieden leben, wenn es jedem gut geht", sagt die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger. Damit dieser Zustand so gut wie möglich erreicht werden kann, hat die Landrätin zusammen mit neun Kreisräten den Verein „Landkreis mit Herz" gegründet. Die Idee: Weil alle Bedürftigen, Gehandicapten, Flüchtlinge oder sonstige von Armut und Mangel betroffene Bürger des Landkreises in der Regel ohnehin von den verschiedenen Abteilungen im Landratsamt betreut werden, könne man dort am besten beurteilen, wem wie geholfen werden könne. Das sollen all jene sein, die „die Grenzen staatlicher Unterstützung erreicht" haben, so Schweiger. Die ersten Spenden, aus denen sich der Fonds neben den Mitgliedsbeiträgen finanziert, seien bereits eingegangen.

 

Spenden gehen ausschließlich in die Region

 

Zwar liege die Gründung des Vereins „Landkreis mit Herz" schon ein gutes halbes Jahr zurück, berichtet die Landrätin. Weil es aber bis August gedauert habe, bis der Verein den Status der Gemeinnützigkeit zuerkannt bekommen habe, habe man erst jetzt ein Konto eröffnen können, auf das die Spenden eingezahlt werden können. „Viele andere Städte und Gemeinden haben Stiftungen oder ähnliche Einrichtungen, um ihre Leute zu unterstützen. Wir hatten bislang nichts", begründet Schweiger die Idee zur Etablierung des Vereins. Ganz besonders wichtig sei es, dass die Spenden ausschließlich in der Region ankämen und „nicht irgendwo untergehen", sagt die Landrätin. Dass die Spendenbereitschaft in der Boomregion Regensburg groß sei, hätten Projekte wie KUNO, das Hospiz oder das Leukämiehaus gezeigt.


Dafür, dass die Spenden in der Region bleiben, werde ein noch zu bildendes Gremium sorgen, das die Vergabe der Spendengelder oder der damit erworbenen Gegenstände prüfen werde. Es sei naheliegend dass Mitarbeiter aus den Abteilungen Jugendamt, Sozialamt, der Freiwilligenagentur und vor allem Jugendsozialarbeiter an den Schulen im Landkreis bei der Verteilung der Spenden einbezogen werden, erläutert die Landrätin. Die Mitarbeiter kennen in der Regel die Verhältnisse dieser Menschen und könnten auf sie zugehen und sie auf ihren zusätzlichen Bedarf ansprechen.


„Wer die Grenzen der staatlichen Unterstützung erreicht hat, fällt durch ein Raster", so Schweiger. Das könne Kinder und Jugendliche betreffen, deren Eltern an der Finanzierung einer Klassenfahrt oder eines Schwimmkurses scheitern. Das können aber auch Rentner sein, die aus gesundheitlichen Gründen Medikamente benötigen, die sie von ihrer schmalen Rente nicht bezahlen können. Auch Beziehern von Hilfe zum Lebensunterhalt kann man helfen, wenn zum Beispiel Einrichtungsgegenstände oder Elektrogeräte aus der vom Sozialamt gestellten Erstausstattung für die Wohnung kaputt gehen. Die Kosten für die Reparatur oder für eine Neuanschaffung übernehme das Sozialamt nämlich nicht, erklärt die Landrätin. „Gegenwärtig leben knapp 800 Menschen im Landkreis von der Grundsicherung, über 4 000 beziehen Hartz-IV-Leistungen." Bei manchen von diesen Menschen reiche es nicht einmal mehr für das Notwendigste.


„Wer Bedarf an Hilfe hat, kann natürlich auch von selber zu uns kommen", stellt Schweiger klar. Möglicherweise könne man in dem einen oder anderen Fall auch abklären, ob es nicht doch noch staatliche Hilfsmöglichkeiten gibt, die bislang nicht ausgeschöpft waren. Auch deshalb sei es zweckdienlich, die Regie des Vereins im Landratsamt zu führen, wo die Fachleute alle versammelt seien. „Wir fangen gerade erst mit der Spendensammlung und damit mit der Vereinsarbeit an", sagt die Landrätin. Es habe allerdings schon ein paar konkrete Spenden gegeben, darunter eine Einzelspende in Höhe von 5 000 Euro.


Weitere seien für die nächste Zeit zugesagt. Weil alles noch auf Anfang stehe, seien auch die Vergabekriterien noch nicht festgelegt. Das werde aber in naher Zukunft geschehen.

 

Schnell, unbürokratisch und diskret helfen

 

„Wir möchten schnell, unbürokratisch und diskret helfen", so Schweiger. Sie appelliert an die Bürger, „Landkreis mit Herz" mit einer Spende zu unterstützen, damit „Glück und Freude in das Leben von Menschen" gebracht werden könnten, die diese Hilfe wirklich brauchen.

 

Tanja Schweiger ist Vorsitzende des Vereins, der Geschäftsleiter des Landratsamtes, Robert Kellner, ihr Stellvertreter und Dieter Albrecht vom Kreisjugendamt der Geschäftsführer. Mitglied kann jeder werden, der Jahresbeitrag, der zu 100 Prozent in den Hilfefonds fließt, beläuft sich auf (steuerlich absetzbare) 50 Euro.

 

Mit einer Spende an „Freude durch Helfen" unterstützen Sie diese Aktion.

Die Gründungsmitglieder des Vereins „ Landkreis mit Herz“: (vordere Reihe, von links) Kreisrat Richard Wild, Petra Grimm, stellvertretende Leiterin der Kreisfinanzverwaltung, Kreisrätin Irmgard Sauerer, Kreisrätin Eva Schropp und Kreisrätin Maria Scharfenberg; (mittlere Reihe, von links) Kreisrätin Eva Blümel, Kreisrätin Elisabeth Kerscher, Kreisrat Michael Drindl, Landrätin Tanja Schweiger und Claudine Pairst, stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises Regensburg; (hintere Reihe, von links) Albrecht Dieter, stellvertretender Leiter des Kreisjugendamtes, Rechtsdirektor Robert Kellner, Kreisrätin Marianne Mayer und Kreisrat Harald Stadler.