Krank und keine Rücklagen

Ein Schlaganfall veränderte das Leben von Franz R. (Foto: Oliver Berg/dpa)

Ein Schlaganfall veränderte das Leben von Franz R. von einem Moment auf den anderen

 

Von Karl W. Drexler

 

Waldmünchen. Als Selbstständiger hat Franz R. (Name von der Redaktion geändert) stets für sich und seine Familie gesorgt. Reich wurde er dabei nicht, er kommt gerade so über die Runden. Doch der Mann aus dem Altlandkreis Waldmünchen ist genügsam, spart, wo es nur geht. Auch bei der privaten Krankenkasse. So wechselte er in einen „günstigeren" Tarif. Das rächt sich nun bitter.


Im Sommer erlitt Franz R. einen Schlaganfall, der sein Leben von einer Sekunde auf die andere veränderte. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Zu den starken körperlichen Beeinträchtigungen kommen finanzielle Sorgen hinzu, denn die Behandlung ist teuer. Vieles, was er zur Genesung braucht, muss der 77-Jährige aus eigener Tasche zahlen.


Seit dem Schlaganfall an einem lauen Mittwochabend ist für Franz R. und seine Angehörigen nichts mehr, wie es einmal war. Franz hatte stets viel Besuch und auch diesen Abend wollte er im Kreis von Freunden und Bekannten genießen. Der Abend hatte noch gar nicht richtig begonnen, als Franz R. leise, ohne einen Laut von sich zu geben, plötzlich zur Seite kippte und seinen Kopf an die Schulter seines Tischnachbarn lehnte. Der sah sich verwundert um. Doch einer in der Runde reagierte blitzschnell und stellte augenblicklich die richtige Diagnose: Schlaganfall.

 

Franz R. konnte seine Benommenheit schnell wieder abschütteln. Alles schien wie vorher. Doch es war ein Schlaganfall und so wurde der Rettungsdienst alarmiert. Der Notarzt brachte Franz R. ins Krankenhaus. Franz wollte gar nicht, dass für ihn so viel Aufwand betrieben wird, doch die Helfer wussten es besser. In der folgenden Nacht, die Franz R. im Krankenhaus verbrachte, folgte der zweite, weit schwerere Schlaganfall, der ihm alles nahm. Franz R. ein Leben lang als Selbstständiger tätig, wurde dadurch vollends aus der Bahn geworfen. Operation: Ein Stent in der Halsschlagader half, seinen Gesundheitszustand zu verbessern.


Seine Ehe ist zwar frühzeitig auseinandergegangen, doch mit den Jahren zeigte sich, dass Franz R. eigentlich ein richtiger Familienmensch ist. Die Seinen zuerst, das war für ihn immer selbstverständlich – auch wenn gelegentlich die Fetzen flogen. Für die Kinder und Enkel hatte er stets etwas übrig; an sich selbst dachte er immer zuletzt.

 

Er teilt das Los vieler Selbstständiger in diesem Land, die auf sich allein gestellt, ihren Lebensunterhalt verdienen. Damit hatte Franz R. aber nie ein Problem. Er begegnete allen Schwierigkeiten mit Ideen und einer gewissen Schnoddrigkeit und ließ auch mal alle Fünf gerade sein. Dafür mögen ihn die Menschen. Die Kehrseite der Medaille bekam er ebenfalls zu spüren: Am Monatsende bleibt kaum genug für die Krankenkasse und noch weniger, um fürs Alter vorzusorgen.


Franz R., mittlerweile 77 Jahre alt, erhält eine Grundversorgung, da seine Rente hinten und vorne nicht reicht. Doch das Meiste dieser Grundversorgung geht für die Krankenkasse drauf. Um einigermaßen über die Runden zu kommen, stand Franz R. bis zu seinem Schlaganfall im Arbeitsleben. Er wollte niemandem zur Last fallen und selbst für sich und die Seinen sorgen.

 

Franz R. litt an Grauem Star und hatte erst kurz vor dem Schlaganfall zwei Operationen. Was hatte er für eine Freude über den erfolgreichen Verlauf dieser beiden Eingriffe. Er blickte wieder optimistisch in die Zukunft. Mit Hilfe der Kinder und Enkel schaffte er sich noch ein neues – eigentlich ein altes – Auto an, denn das andere hatte heuer vollends den Geist aufgegeben.

Und dann kam dieser verhängnisvolle Mittwochabend . . .


Nach dem Krankenhausaufenthalt folgten vier Monate Rehabilitation in Regensburg. Für Franz' Tochter und Enkel eine schlimme Zeit mit Höhen und Tiefen, Warten und Hoffen. Rückschläge, hohes Fieber, Entzündungen, aber auch zahllose und spontane Fahrten ins Krankenhaus nach Regensburg haben sie immer wieder auf Trab gehalten.

 

Seit Ende November ist Franz R. wieder zuhause bei seiner Tochter. Franz kämpft sich ins Leben zurück. Er braucht aber teure Medizin und weitergehende Therapien, denn seit dem Schlaganfall kann er nicht mehr richtig sprechen. Das alles will bezahlt sein. Kinder und Enkel müssen das Geld vorstrecken und dafür einen Kredit aufnehmen. Atemaussetzer beim Schlafen gefährden Franz' Leben und ein Blasenkatheter, gesetzt durch die Bauchdecke, behindert zusätzlich. Doch Franz R. gibt nicht auf. Er will wieder gesund werden, und zwar so, dass er am gesellschaftlichen Leben wieder teilnehmen kann. Ob dies möglich wird, besonders dann, wenn das Budget aufgebraucht und kein Geld mehr für die notwendigen Behandlungen da ist? Kinder und Enkel wissen es nicht. Zu allem Überfluss mussten auch noch Rechnungen aus Franz' früherer Tätigkeit bezahlt und Investitionen für die kommenden Jahre getätigt werden.


Wenn Franz R., der die Geselligkeit stets liebte, wieder annähernd gesund werden will, muss er unter Leute. Das sehen auch die behandelnden Ärzte so, und erst recht seine Freunde und Bekannten, die schon alle auf ihn warten.