Körperlich am Ende, finanziell ebenso

Eine 44-jährige Furtherin ist dringend auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen – diese sind jedoch zu teuer für sie. (Foto: Friso Gentsch/dpa)

Furtherin (44) leidet an schwerer Arthrose und muss von 712 Euro leben

 

Furth im Wald. (tl) Gejammert wird deutschlandweit viel. Menschen, die jedoch wirklich Grund zum Jammern hätten, die leiden oft im Stillen. Zu diesen Menschen gehört eine 44-jährige Furtherin. Von klein auf leidet sie an einer schweren Erkrankung, die weitere chronische Beschwerden zur Folge hat. Dadurch kann sie nicht arbeiten. So kommt es, dass die Frau nun von monatlich 712 Euro leben muss – und davon Miete, Strom, GEZ etc. zu bezahlen hat. Kurzum: Sowohl körperlich als auch finanziell ist Karin B. (Name geändert) am Ende.

 

Vor 44 Jahren kam sie mit zwei Klumpfüßen zur Welt, eine Behinderung, die es ihr auf dem Weg durch die Kindheit und Jugend nicht gerade leicht machte. Ebenso ihr sensibler Wesenszug, ihre Angst vorm Versagen. Und ihr Hang zum Übergewicht.

 

Nach einer Ausbildung zur Hauswirtschafterin war sie 14 Jahre in einem renommierten Hotel im Landkreis Cham tätig. Warnungen, dass die Fußfehlstellung in Kombination mit dem beruflich langen Stehen ihr eines Tages enorme Probleme bereiten könnten, schlug sie lange in den Wind. Doch die Schmerzen, insbesondere in den Kniegelenken, nahmen immer weiter zu. Es zeichnete sich eine schwere Arthrose ab. Den Schmerz bekämpfte sie mit Tabletten. Vielen Tabletten. Durch diese legte sie gewaltig an Gewicht zu. „Innerhalb von sechs, sieben Jahren hatte ich 70 Kilo zugenommen." Karin B. versuchte ständig, wieder abzunehmen, was ihr jedoch nicht gelang, denn: Sport konnte sie wegen ihrer Arthrose nicht machen. Und ohne Sport, aber mit reichlich Medikamenten nahm sie wieder zu. Ein Teufelskreis, der sie zudem psychisch schwer belastete.

 

Probleme mit neuem Knie

Hoffnung gab's im September 2014: Die Ärzte erkannten ihr Problem und entfernten einen Großteil des Magens. Folge: Sie kann weniger Essen zu sich nehmen und nimmt ab. „Seitdem habe ich wieder 70 Kilo verloren", betont Karin B. stolz. Hoffnung weckte auch eine OP im Juli dieses Jahres: Die 44-Jährige bekam ein neues Kniegelenk – endlich, nach Jahren voller Schmerzen. Doch die Operation verlief nicht so erfolgreich wie erhofft. Das Bein lässt sich nur noch maximal 90 Grad abwinkeln. Daran werde sich auch nichts mehr ändern, wurde ihr gesagt. Zudem hat sie immer noch Schmerzen im linken Bein, genauso wie in dem von Arthrose betroffenen rechten. Treppensteigen ist dadurch nur sehr schwer möglich. Zudem braucht sie ständig Krücken. Ihr Tablettenkonsum ist nach wie vor hoch.

 

Weniger als Hartz IV

Zu den körperlichen und seelischen Problemen kommen noch finanzielle. Nachdem sie immer Schmerzen hatte, funktionierte eine Umschulung nicht. Karin B. bekam Frührente, das heißt: Sie bekommt pro Monat 480 Euro. Hinzu kommen noch 72 Euro Wohngeld und 160 Euro von einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Sonst nichts. „Vom Geld her habe ich weniger wie Hartz IV", bedauert sie und erklärt auch, warum: Eine Lebensversicherung, die sie nicht kündigen, sondern fürs Alter aufheben wolle, sei der Grund, warum sie keine Aufstockung erhalte.

 

Folglich reicht das Geld in keinem Monat. Sie hat keinen PC, kein Auto. Trotz ihrer Schmerzen geht sie alles zu Fuß. Sie benötigt auch Spezialschuhe, die teuer sind. Die Kasse bezahlt nur alle zwei Jahre ein Paar. Wegen ihres Schlauchmagens ist die Versorgung mit Mineralien von Nahrungsergänzungsmitteln abhängig. Diese sind jedoch teuer; einen Zuschuss von der Krankenkasse gibt es nicht.

 

Die 44-Jährige ist wie eine Gefangene im eigenen Körper. Raus aus der Wohnung kann sie kaum, da dies beschwerlich und mit Schmerzen verbunden ist. Zudem hat sie kein Geld für ein Taxi oder mal einen Kaffee in einem Lokal. Zuhause fällt ihr die Decke auf den Kopf, da sie nicht einmal Internet hat, um mit anderen zu kommunizieren. Mit unserer Aktion „Freude durch Helfen" bitten wir um Spenden für diese Furtherin. Jeder Euro würde dazu beitragen, um zumindest die finanzielle Misere etwas zu lindern.

 

Die 44-Jährige ist eine Frau, die noch nie auf der Sonnenseite des Lebens stand. Das wurde in unserem Gespräch mit ihr klar. Eine Stunde lang erzählte sie von ihren Schicksalsschlägen – ganz sachlich, ohne dabei zu jammern. Auf die Frage, ob es denn nicht auch mal was Positives in ihrem Leben gegeben habe, musste die 44-Jährige überlegen. Ihr Ergebnis: „Ehrlich gesagt, ich wüsste jetzt nicht, was..."