Josephine kämpft sich ins Leben zurück

Nach einem Tumor lernt das Mädchen wieder laufen – Ein Gehwagen kostet 4.000 Euro

Derzeit ist die siebenjährige Josephine auf einen Rollstuhl angewiesen – in Zukunft möchte sie aber öfter ein Gehwägelchen nutzen. (Symbolfoto: Inga Kjer/dpa)

Regen. (niz) „Gesundheit und Glück" – das wünscht sich Daniela S. für ihre siebenjährige Tochter Josephine. Ein Wunsch, den wohl alle Eltern haben, bei Daniela S. ist er aber besonders gut nachvollziehbar: Ihre Tochter hatte einen Gehirntumor.

 

Ziemlich genau zwei Jahre ist es her, als Josephine beginnt, über Nackenschmerzen zu klagen. „Die Ärzte haben aber nichts gefunden", erzählt Daniela S., die mit ihrer Tochter in der Nähe von Regen (Kreis Regen) wohnt. Ständig hat die damals Fünfjährige Schmerzen. Hinzu kommt, dass sie sich immer wieder übergeben muss. „Dabei hat sie zu dem Zeitpunkt kaum noch gegessen und getrunken", erinnert sich die 30-jährige Mutter. Die Ärzte sind weiterhin ratlos, tippen irgendwann auf psychische Ursachen, weil sich Daniela S. und ihr Mann getrennt haben.

 

Das fröhliche Mädchen verändert sich stark, wird immer ruhiger, will nicht mehr spielen. An einem Morgen im März 2015 sieht Josephine dann plötzlich nichts mehr. Obwohl die Sehstörung wieder verschwindet, handelt Daniela S. sofort. Sie fährt mit ihrer Tochter zum Arzt und besteht darauf, dass ihr Kind gründlich untersucht wird. Als Notfall wird Josephine schließlich ins Krankenhaus nach Deggendorf eingeliefert, wo man bei der Kleinen ein MRT macht. Kurz darauf die niederschmetternde Diagnose: Josephine hat einen tennisballgroßen Gehirntumor. Sie schwebt in akuter Lebensgefahr. „Ich habe mich gefühlt, als ob gerade ein Bus über mich drübergefahren wäre", beschreibt Daniela S. den Moment, als ihr ein Arzt das Untersuchungsergebnis mitteilt. Eine Notoperation erfolgt und ein paar Tage später entfernen die Ärzte den Tumor. Acht Stunden dauert dieser Eingriff. Daniela S. und die ganze Familie bangen um das Leben der Kleinen. Aber das Mädchen ist eine Kämpferin, sie übersteht die Operation gut. „Gleich nach dem Aufwachen, war sie sogar ansprechbar."


Kurz darauf treten aber Komplikationen auf und Josephine wird in ein künstliches Koma verlegt. „Sie wurde künstlich ernährt, musste beatmet werden. Sie hat auf nichts reagiert", beschreibt Daniela S. den Zustand ihrer Tochter. Nach drei Wochen in Deggendorf wird Josephine in eine Rehaklinik am Bodensee verlegt. Hier ändert sich aber kaum etwas an ihrem Zustand. Sie muss zwar nicht mehr beatmet werden, reagiert aber weiterhin auf nichts.

 

Nach neun Wochen erreicht Daniela S., dass ihre Tochter ins Bezirksklinikum Mainkofen (Kreis Deggendorf) verlegt wird. „Da waren wir näher bei unserer Familie. Josephine konnte ihren Papa wieder öfter sehen. Das war für sie sehr wichtig", erklärt die Mutter ihre Entscheidung. Tatsächlich macht Josephine bereits nach ein paar Tagen erste Fortschritte und kämpft sich nach und nach wieder zurück ins Leben. Im September, ein halbes Jahr nach der Diagnose, darf das Mädchen wieder nach Hause. Mutter und Tochter sind überglücklich, müssen sich aber nach der langen Zeit in der Klinik auch wieder an den Alltag gewöhnen. Die Einschulung in die Christophorus-Schule erleichtert Josephine den Start in ihr neues Leben. An der Schule gibt es eine Klasse für körperbehinderte Kinder. Josephine, die noch auf den Rollstuhl angewiesen ist, sieht, dass auch andere Kinder ein Handicap haben. „Sie hat sich schnell eingewöhnt und Freunde gefunden." Zudem wird die Therapie an der Schule fortgesetzt.


Daniela S. beginnt wieder zu arbeiten und ihre Familie unterstützt sie bei der Betreuung der Kleinen. Mutter und Tochter „genießen den Alltag".


Aber Daniela S. muss weiter für ihre Tochter kämpfen – die Krankenkasse macht immer wieder Probleme. So bewilligt man dem Mädchen kein spezielles Rollstuhlkissen, da das Mädchen „zu mobil" sei. Eine Aussage, die die Mutter auch heute noch wütend macht. Das Kissen wird schließlich doch bewilligt, nachdem Daniela S. mehrmals nachgefragt hat. Allerdings bekommt Josephine nur ein gebrauchtes Gehwägelchen, das nun ständig kaputt ist. „In der Schule soll sie statt des Rollstuhls jetzt das Wägelchen benutzen. Wenn es bei der Reparatur ist, muss sie aber oft wochenlang darauf verzichten." Selber kaufen kommt nicht in Frage, da ein neues Gehwägelchen 4 000 Euro kostet.


Mutter und Tochter lassen sich aber nicht unterkriegen. „Uns geht es soweit gut", betont die 30-Jährige. Und das, obwohl Josephine immer noch regelmäßig zum MRT muss. „Da ist immer noch etwas in ihrem Kopf, das so nicht hingehört. Ob es nur Narbengewebe ist oder wieder ein Tumor, kann man nicht sagen."


Diese Ungewissheit ist schwer zu ertragen. Dennoch versucht Daniela S. positiv zu denken und freut sich über die Fortschritte ihrer Tochter.


Josephine zieht sich inzwischen wieder selber an, kann selber aufstehenund an der Hand gehen, spricht gut, schreibt und kann mit Freunden spielen.