Hilfsbereite Seniorin wird selbst zum Opfer

Eine Rentnerin aus dem Verbreitungsgebiet fiel Betrügern zum Opfer – und verlor ihre gesamten Ersparnisse. (Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa)

Betrüger gibt sich am Telefon als Bekannter aus – Rentnerin verliert gesamte Ersparnisse


Moosburg. (tom) Hilfsbereitschaft ist eine Tugend, die Anerkennung verdient – dass Menschen dieser Charakterzug zum Verhängnis wird und sie Opfer krimineller Machenschaften werden, ist zynisch und leider kein Einzelfall. Der Enkeltrick und ähnliche Betrugsmaschen appellieren auf perfide Weise an die Hilfsbereitschaft der Opfer. Auch Carla H. (alle Namen von der Redaktion geändert) tappte am Telefon in die Falle und wurde so um ihre ganzen Ersparnisse gebracht.


„Hubert, bist du es?" Noch heute ärgert und schämt sich Carla H. über sich selbst, dass sie dem Anrufer diese Frage stellte. Denn mit dem Namen Hubert, ein früherer Arbeitskollege von ihr, lieferte sie dem Täter die Information, die es ihm leicht machte, sie um 5000 Euro zu betrügen.


Carla H. steht mit ihren 80 Jahren noch fest im Leben, sie arbeitet sogar noch ehrenamtlich in ihrer Heimatgemeinde im Landkreis Freising. Früher hat sie als Altenpflegerin vielen Menschen geholfen und will sich auch im Alter noch nützlich machen. Ihre große Hilfsbereitschaft macht sich auch der Täter des Trickdiebstahls zunutze.

Als er bei Carla H. anruft und sich als Hubert ausgibt, hat sie ihren ehemaligen Arbeitskollegen schon längere Zeit nicht mehr gesehen.

Manchmal lädt er H. zu seiner Familie zum Kaffee ein, die beiden hatten trotz des großen Altersunterschieds immer ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zueinander.

Und so glaubt Carla H., ihr vertrauter Bekannter würde sich nun wieder einmal telefonisch melden.


Der Betrüger setzt die Rentnerin unter Druck

Der Täter lässt sie natürlich in dem Glauben, um sie hinters Licht zu führen. Er kann ihr weismachen, dass er gerade ein Auto für die Familie kauft und nun sofort 5000 Euro Anzahlung benötigt. Es sei eine einmalige Chance für die Familie, setzt der Betrüger die Rentnerin unter Druck. Er selbst könne das Geld so kurzfristig nicht auftreiben. Die hilfsbereite Seniorin willigt ein, ihm das Geld zu leihen. Gleich nach dem Telefonat geht sie zur Bank und hebt 5000 Euro ab – ihre gesamten Ersparnisse.


Später meldet sich Hubert wieder bei ihr. Er sei noch im Autohaus und würde einen guten Bekannten vorbeischicken, um das Geld abzuholen. Nun kommen Carla H. doch erste Zweifel, dass etwas nicht stimmt. Nachdem aber auch noch der angebliche Autohausbesitzer bei ihr anruft und die Sache bestätigt, wiegt sich Carla H. doch in Sicherheit. Der Täter wusste ja schon ihre Adresse und wenige Minuten später übergibt sie einem Mann das Geld vor ihrer Wohnungstür.


Als sich nach Stunden Hubert weder bedankt, noch bei ihr meldet, wird der alleinstehenden Seniorin klar, dass etwas nicht stimmt, und sie geht zur Polizei. Sie hat nicht ihrem Bekannten geholfen, weiß sie nun, sondern wurde Opfer von Betrügern. Der Verlust des Geldes schmerzt sie sehr. Es war für den Notfall gedacht oder für später – für Pflege- oder Beerdigungskosten. Noch schlimmer wiegen aber Scham und Angst. Die Scham darüber, zu gutgläubig gewesen zu sein, und die Angst, die Täter könnten wieder kommen und ihr auflauern.


Unterstützung vom „Weißen Ring"

Wochenlang geht die sonst so aktive Seniorin nicht mehr vor die Tür. Erst durch die Hilfe von Silvia Niedermeier vom „Weißen Ring" bekommt sie Unterstützung. „Da sie schwer traumatisiert ist, benötigt sie psychologische Unterstützung bei einer Traumatherapeutin", berichtet Silvia Niedermeier, Leiterin der Freisinger Außenstelle. Mit einem Beratungsscheck kann der „Weiße Ring" eine Erstberatung ermöglichen. Auch finanzielle Unterstützung wurde ihr von der Opferhilfe zugesagt.


Carla H. hat nur ihre kleine Rente, ansonsten ist sie nun völlig mittellos. Die 5000 Euro hat sie sich im Laufe der Jahre mühsam zusammengespart. Dass der „Weiße Ring" diese Hilfe leisten kann, wird unter anderem durch Spenden ermöglicht. Dazu zählt auch ein Beitrag aus dem Spendentopf „Freude durch Helfen".


Durch den Betrug ist Carla H. sehr misstrauisch und verschlossen geworden, wie Niedermeier schildert. Aus dem Fall, der bis heute nicht von der Polizei aufgeklärt werden konnte, hat sie ihre Lehren gezogen. An ihrer Hilfsbereitschaft hat sich aber nichts geändert. „Ich bin dankbar für alles, was ich noch tun kann", sagt die Seniorin.