Familien leben nahe am Existenzminimum

Sozialfonds der Gemeinde Barbing: Schnelle, unkonventionelle Hilfe für Bedürftige


Barbing. (ck) Alters- und Kinderarmut ist leider auch im reichen Deutschland ein Thema. Doch manchmal muss man gar nicht weit gehen oder suchen. Die Not versteckt sich oftmals schon im Nachbarhaus. Da können Kinder nicht an einem Schulausflug teilnehmen, da fehlt Geld für neue Fußballschuhe oder die Kommunionausstattung. Der Sozialfonds der Gemeinde Barbing bietet schnelle, unkonventionelle Hilfe.

 

Bei der Rentnerin von nebenan reicht die Rente gerade mal für die Miete und Strom. Bei den Lebensmitteln ist dann schon Sparen angesagt, ein Braten unter der Woche steht nicht drin. Oftmals geht es nur um kleine Summen, die aber schon großes Bewirken, damit vor allem Kinder nicht ausgeschlossen werden. Schnell, individuell, unbürokratisch und zuweilen unkonventionell hilft man im Gemeindebereich Barbing Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern oder auch Senioren, die nicht auf der Sonnenseite stehen. Mit dem Sozialfonds der Gemeinde, den es inzwischen seit rund zehn Jahren gibt, ist eine Plattform entstanden, das Geld hilfebringend einzusetzen. Immer mehr örtliche Vereine und Organisationen oder auch Privatpersonen füllen den Sozialfonds durch Spenden und Benefizveranstaltungen auf, denn sie möchten, dass diese Gelder in der Großgemeinde Barbing bleiben und dort eingesetzt werden, wo es am nötigsten ist. Die Gelder sollen bedürftige Menschen in der nächsten Umgebung unterstützen, erzählt Bürgermeister Hans Thiel.


 

Gründe für prekäre Lage


Auch in Barbing gibt es Kinder, die in schwierigen Situationen aufwachsen müssen, für die sie absolut nichts können. „Verlust der Arbeit, ein Unfall, eine schwere Krankheit oder eine Scheidung können Familien akut in dramatische Notlagen bringen", so das Gemeindeoberhaupt. Er verweist auf die steigende Zahl derer, die zwar Vollzeit arbeiten, aber deren Einkommen trotzdem nur knapp über dem Sozialhilfesatz liege. Die Eltern setzen alle Kräfte ein, um die Familie finanziell über Wasser zu halten und dennoch leben sie mit ihren Kindern nahe am Existenzminimum. Viele Alleinerziehende trifft es dann besonders hart. Geld für eine Klassenfahrt oder einen Klassenausflug stehen dann einfach nicht drin. „Hinzu kommt, dass einige Eltern und auch Senioren verständlicherweise ein Problem damit haben, über ihre finanzielle Situation zu reden oder Anträge auf Unterstützung einzureichen. „Die Scham ist besonders groß bei denen, die es am Nötigsten brauchen", weiß Bürgermeister Hans Thiel, dem es wichtig ist, dass Diskretion großgeschrieben werde. Deshalb werde man auch niemals Namen von denjenigen nennen, die unterstützt wurden. Dankbar sei er hier auch den Tippgebern, ob nun Nachbarn, Freunde, Lehrer oder Erzieher, die nicht wegsehen und auch einige Zeichen richtig deuten können. Gelder des Fonds kommen somit gezielt einzelnen Kindern und Personen zu Gute, wie beispielsweise jüngst einer alleinerziehenden Mutter, mit psychischen Problemen, für die sie in Behandlung ist. Die Kinder wurden zwischenzeitlich in einer Einrichtung untergebracht. Für die von Grund auf herzensgute Frau, eine schwierige Situation, die ihr das Herz zerreiße, denn nun kommen auch noch Schuldgefühle hinzu eine schlechte Mutter zu sein. Hier unterstützte der Sozialfonds die Mutter, damit diese Geburtstagsgeschenke für ihre Kinder kaufen konnte. In manchen Situationen bei denen man schon geholfen habe, spüre man die Erleichterung der Menschen und höre förmlich den Stein vom Herzen fallen, weil man dem Bedürftigen eine Sorge genommen habe.


 

Gemeinsame Entscheidung


Jetzt zur bevorstehenden Weihnachtszeit sei der Sozialfonds besonders wichtig, betont das Gemeindeoberhaupt, das nach Rücksprache mit dem Sozialamt der Gemeinde oder auch mit dem Kämmerer, die Entscheidung zur Hilfe trifft. Wenn mit dem Advent die Zeit der Besinnung und der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest vor der Tür stehe, freue das die meisten, doch leider gibt es eben auch in der Großgemeinde Barbing Menschen, für die Weihnachten kein Fest der Freude sei, weil diese Zeit ihre Not am deutlichsten werden lasse. „Ob nun Alt oder Jung - sie haben es in diesen Tagen besonders schwer und sind auf unsere Hilfe angewiesen", betont Bürgermeister Hans Thiel. Ganz im Sinne des Sozialfonds möchte man den Menschen gerade in diesen Tagen auch zeigen, dass man sie nicht vergesse und ihnen eine besondere Freude bereiten. Denn nichts sei schöner als die leuchtenden Augen der Beschenkten und die Gewissheit, dass man geholfen habe.