Eine Kinderkrankenschwester erzählt

Wie der „Bunte Kreis" den Familien mit Frühgeborenen hilft

 

Deggendorf. (pk) Durch die Aktion "Freude durch Helfen" hat die Mediengruppe  Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung mit ihrer Spendenaktion "Freude durch Helfen"  den Bunten Kreis mit einer großzügigen Spende unterstützt. Eine Kinderkrankenschwester erzählt, was mit dem Geld getan wird.

 

Linda Nowak: "Ich habe 30 Jahre auf der Früh- und Neugeborenen Intensivstation gearbeitet. Seit 9 Jahren engagiere ich mich jetzt hauptberuflich als Case Managerin beim Bunten Kreis.

 

Es waren meine Erfahrungen auf der Intensivstation, die mich zum Bunten Kreis gebracht haben. Von einer Minute zur anderen stehen die Eltern vor der Situation, dass die Geburt und die Zeit danach nicht wie geplant verlaufen, weil das Kind viel zu früh geboren wird. Dann liegt das Kind als eine Handvoll Leben mit vielleicht 600 Gramm im Brutkasten und kämpft für sein Leben.

 

Die Eltern sehen sich dann  auf unserer Station einer Hightech Medizin gegenüber, die sogar manch Geschultem Respekt einflößt. Die Kinder sind an unzähligen Kabeln und Schläuchen angeschlossen und der körperliche Kontakt beschränkt sich zum Teil die ersten Wochen auf zaghaftes Streicheln und das so genannte Kängurun. Die wichtigen Gespräche zwischen Eltern und Pflegepersonal über Ängste und Sorgen, werden häufig von Monitoralarmen und Notfallsituationen gestört."

 

Da es oft notwendig ist, dass die Kinder wochenlang stationär bei uns versorgt werden müssen, können die meisten Mütter nicht solange im Krankenhaus mit dabei bleiben, da es ja auch oft zuhause noch Geschwisterkinder gibt, die ihre Eltern brauchen. Somit wird der Beziehungsaufbau für die Eltern wiederum erschwert, da es den meisten nur einmal täglich möglich ist, ihren Nachwuchs zu besuchen, und dann auch zu versorgen.

 

Krankenschwester Linda Nowak: "Wir arbeiten gemeinsam mit den Eltern auf eine möglichst frühe Entlassung hin. Die Familien fiebern  diesem Tag lange entgegen. Rückt dieser aber dann tatsächlich näher, beobachten wir,  wie die Unruhe und die Nervosität der Eltern wachsen. Obwohl ihre Kinder nun schon einige Wochen alt sind, ist es für sie eine neue Situation, diese nun 24 Stunden zu versorgen. Und das alles nun ohne Monitor  und ohne Kinderkrankenschwester in Reichweite. Dies spiegelt sich in gehäuften Anrufen auf Station wieder.

 

Deshalb wurde der Bunte Kreis ins Leben gerufen, um die Eltern in dieser Situation aufzufangen und zu stärken."

 

Die Case Manager des Bunten Kreises betreuen die Familie  bereits auf Station. Ein „buntes" multiprofessionelles Team aus Case Manager, Kinderkrankenschwester, Kinderarzt, Psychotherapeutin, Seelsorge, Sozialpädagogin und Ernährungsberaterin begleiten die Familie über mehrere Monate im häuslichen Umfeld. Die Mitarbeiter unterstützen, beraten, trösten und leiten die Eltern bei der oft komplizierten Pflege ihrer teils schwer kranken Kinder an. Ziel der Nachsorge ist eine am Bedarf und an den Bedürfnissen der Familie orientierte optimale Begleitung, Unterstützung und Vernetzung, die hilft mit der Erkrankung des Kindes und den veränderten Lebensbedingungen der Familie zurecht zu kommen.

 

Wichtig ist dem Bunten Kreis, den Kontakt zu den Familien auch nach Ende der Begleitung aufrecht zu erhalten. Deshalb wurde ab 2017 ein Frühchen-Café initiiert, um den Familien in gemütlicher Runde einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

 

Die Finanzierung dieser wertvollen Arbeit ist durch die Krankenkassen nicht vollständig abgedeckt. Deshalb ist der Bunte Kreis auf Spenden angewiesen,  um  zum Beispiel Fahrtkosten, Personalkosten, finanzielle Unterstützung von Familien in Sachleistung abzudecken. 

Bei der Spendenübergabe von „Freude durch Helfen“ an die Kinderklinik und den Bunten Kreis: (v.l.) Landrat Christian Bernreiter, angehende Arzthelferin Nina Binder, angehende Arzthelferin Jasmin Fierlbeck, Chefarzt Dr. Michael Mandl, Redaktionsleiter Peter Kallus (Donau-Anzeiger/Plattlinger Anzeiger), Fachkinderkrankenschwester Nicole Weishäupl, Kinderkrankenschwester Michaela Schick und Oberarzt Gerald Beier. --