Ein Anker für Drogenabhängige

Ein Kontaktladen in der Nähe des Regensburger Hauptbahnhofs soll Anlaufstelle für Suchtkranke werden

Drogenabhängigen einen Weg aus der Sucht aufzeigen: Das ist das Ziel von Drug-Stop-Geschäftsführerin Marion Hoffmann-Plank (rechts) und Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.

Regensburg. (gib) Die Bezirkshauptstadt gilt als Drogenschwerpunkt. Etwa 1000 Suchtkranke leben in und um Regensburg. Sie treffen sich bevorzugt rund um den Hauptbahnhof. Künftig sollen sie in einem Kontaktladen Hilfe finden. „Das sind Menschen, die eine Chance verdient haben", sagt zweite Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer.


Im Bahnhofsumfeld gibt es immer wieder Probleme. Passanten ärgern sich über Suchtkranke, die dort mit der Schnapsflasche in der Hand abhängen. Eltern haben Angst, dass Kinder eine benutzte Heroinspritze finden. Sie rufen die Polizei, die die Drogenabhängigen vertreibt. Langfristig sei das aber keine Lösung, sagt Maltz-Schwarzfischer. Die Betroffenen würden sich dann eben woanders treffen – im schlechtesten Fall in Hallen oder Hinterhöfen, wo sie niemand mehr im Auge hat.


Ein lang gehegtes Ziel der Stadt Regensburg ist deswegen die Einrichtung eines Kontaktladens. Nun ist eine passende Immobilie gefunden, die Adresse will die Bürgermeisterin noch nicht preisgeben. Es handelt sich um 180 Quadratmeter große Räumlichkeiten in Bahnhofsnähe mit Garten. Im Untergeschoss stehen nochmal 60 Quadratmeter zur Verfügung, wo unter anderem Duschen installiert werden sollen. Die Eröffnung ist im Frühjahr 2017 geplant.


Was einen Kontaktladen ausmacht, erklärt Marion Hoffmann-Plank, Geschäftsführerin der Drogenhilfe Regensburg „Drug Stop". Streetwork und Kontaktladen arbeiten Hand in Hand. Zwei Streetworker – einer von Drug Stop, einer von der Caritas – sind in Regensburg unterwegs. Sie sprechen suchtkranke Menschen auf der Straße an, versuchen, ihnen Hilfe anzubieten. Künftig können sie den Betroffenen auch den Weg in den Kontaktladen weisen: Dort bekommen die Menschen eine warme Mahlzeit, können duschen, Spritzen tauschen, ihre Kleidung waschen und reparieren. Sozialpädagogen sind vor Ort, mit denen die Drogenabhängigen über Probleme wie Obdachlosigkeit oder finanzielle Nöte sprechen können und Hilfen erhalten.


„Wir wollen den Menschen wieder einen Sinn im Leben geben, sie sollen sich hier einbringen, beim Kochen helfen oder kreativ arbeiten", sagt Hoffmann-Plank. Ziel von Drug Stop ist es, die Menschen über diesen Kontakt langfristig zu einer Entgiftung und zum Ausstieg aus dem Drogenkonsum zu bewegen. „Wir müssen die Menschen mit Geduld begleiten", erklärt die Drug-Stop-Geschäftsführerin. Immer wieder muss sie allerdings auch miterleben, dass alle Hilfestellungen nicht fruchten. 16 Drogentote gab es bereits in diesem Jahr in Regensburg.

 

Drug-Stop-Geschäftsführerin Marion Hoffmann-Plank (rechts) und Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer freuen sich, dass Regensburg im Frühjahr in Bahnhofsnähe einen Kontaktladen für Suchtkranke bekommt.

Hoffmann-Plank kann viele Geschichten erzählen: Von der Friseurmeisterin, die begann, Crystal zu nehmen, um im Job leistungsfähiger zu sein, von der drogenabhängigen Mutter, die zwei Kinder abgeben musste und die Geburt ihres dritten Kindes als Wendepunkt in ihrem Leben sieht, um clean zu werden. Von Abhängigen, in deren Familien die Sucht von Generation zu Generation weitervererbt wird. Und von den schönsten Erlebnissen, wenn Betroffene ein für allemal der Droge abschwören, einen Job finden, nicht mehr auf Hartz IV angewiesen sind, wieder ein selbstbestimmtes Leben führen.

 

Für Menschen, die abschätzig auf Drogenabhängige herabschauen, hat die Drug-Stop-Geschäftsführerin eine Botschaft: „Keiner ist sicher davor." Jeder könne in die Situation kommen, dass ein Todesfall, der Verlust des Jobs oder auch ein sexueller Übergriff das Leben aus den Fugen geraten lässt. Die Droge oder der Alkohol könne dann als attraktive Zuflucht aus der Misere erscheinen. „Doch irgendwann kommt immer der Absturz", warnt Hoffmann-Plank.


Zwei bis drei Mitarbeiter sollen im Kontaktladen, der tagsüber unter der Woche geöffnet sein wird, stets präsent sein. Die Kosten für das Projekt teilen sich die Stadt Regensburg und der Bezirk Oberpfalz. Die Unterstützung durch den Landkreis ist beantragt. Für zehn Prozent muss Drug Stop als Träger selbst aufkommen. Daneben ist der Verein auch für Präventionsarbeit oder Sonderveranstaltungen dringend auf Spenden angewiesen.