Durch Krankheit und Unfall zurück auf Null

Franz Scheuerer hatte schon mit Anfang 20 einen Schlaganfall – Seine Frau traf es später

 

Landau. Das Schicksal hat es nicht immer gut gemeint mit Franz Scheuerer. Der heute 59-Jährige wollte sein Leben lang arbeiten - und ist früh ausgebremst worden. Bereits mit 21 Jahren hat er einen Schlaganfall erlitten, dessen Folgeen ihm die Arbeit als Metzger unmöglich machten. Jahre später wollte er sich selbstständig machen - und hatte just in dieser Phase einen schweren Autounfall. 2014 traf Scheuerers Frau Brigitte das gleiche Schicksal - ein Schlaganfall. Heute ist das Ehepaar, das in Rannersdorf bei Eichendorf (Lkr. Dingolfing-Landau) lebt, finanziell vielfach auf die Unterstützung der drei Kinder angewiesen.


Das kleine Häuschen in Rannersdorf, das die Scheuerers bewohnen, hätte einige Reparaturen nötig. In der Hofeinfahrt stapeln sich Ziegelsteine und alte Holzbretter. Vieles ist notdürftig geflickt worden, innen wie außen. Franz Scheuerer hat das Häuschen Anfang 1997 gekauft. Das Schmerzensgeld, das ihm infolge seines schweren Unfalls 1988 zugesprochen wurde, bildete den finanziellen Grundstock. Den Rest hat er als Kredit aufgenommen. Noch heute zahlt er pro Monat 600 Euro ab. „In fünf Jahren hab ich's geschafft", erzählt er. Das Wohnzimmer ist mit dem Nötigsten versehen, eine ältere Couch, ein Ofen, ein Tisch, ein paar Spielsachen für das Enkelkind. Als die Scheuerers hier eingezogen sind, haben sie sich die Zukunft anders vorgestellt.


Hinter Franz Scheuerer lag bereits ein schweres Schicksal. Bereits mit 21 Jahren hat der damals in Bad Tölz wohnhafte, junge Mann einen Schlaganfall erlitten. Die Ärzte vermuteten, dass sein intensiv betriebenes Kampfsport-Hobby der Auslöser dafür gewesen sein könnte. Ansonsten tappten sie im Dunkeln. „Ich bin damals von Klinik zu Klink geschickt worden. 1978 war man in der Schlaganfallbehandlung noch nicht so weit." Weder in Bad Tölz, in Großhadern noch in Regensburg konnten die Ärzte dem jungen Scheuerer Hoffnung machen, dass die linksseitige Lähmung seines Körpers sich wieder regenerieren ließe. Eine Reha gab es nicht. Scheuerer hat damals beschlossen, das Krankenhaus zu verlassen: „Ich habe mir Sportgeräte angeschafft und zuhause trainiert. Und tatsächlich habe ich Verbesserungen erzielt. Die linksseitige Lähmung ließ nach. Ich hatte zwar noch eine eingeschränkte Motorik, aber konnte wieder was machen."


Ein Zurück in den früheren Beruf als Metzger gab es jedoch nicht. Franz Scheuerer versuchte es als Fahrer im Münchner Schlachthof. 1980 heiratete er seine Frau Brigitte. Das Paar bekam zwei Buben, heute 25 und 18 Jahre alt, und eine Tochter, 30 Jahre. 1986 wollte Franz Scheuerer es nochmal wissen - er legte die Meisterprüfung im Metzgerhandwerk ab und kaufte zwei Jahre darauf eine Metzgerei in Passau. Der Familienvater wollte sich selbstständig machen. Auf dem Weg zur neuen Arbeit passierte es dann. „Ein Unfall. Es war unverschuldet. Eine Bäuerin fuhr mit ihrem landwirtschaftlichem Gefährt aus einem Feldweg - und kollidierte mit meinem Auto." Franz Scheuerer kann den Hergang bis heute nur aus Erzählungen berichten. Damals ist er erst 14 Tage später wieder aufgewacht, schwerst verletzt. Vier Jahre sollte er von Krankenhaus zu Krankenhaus geschickt werden. Sein rechter Arm war innerlich völlig zerschmettert, die linksseitigen Lähmungen kehrten zurück.


Das Paar musste sich über Wasser halten, ohne Arbeit. Vor zwei Jahren dann erlitt zudem Mutter Brigitte einen Schlaganfall. Die 55-Jährige ist seitdem pflegebedürftig, wird von der Caritas umsorgt. Die Scheuerers leben von Rente, Pflege- und Kindergeld für den jüngsten Sohn. Nach Abzug der monatlichen Ausgaben bleiben ihnen gut 500 Euro zum Leben. Wenn irgendeine größere Anschaffung nötig ist, muss Franz Scheuerer wohl oder übel eines seiner Kinder um Unterstützung bitten. Alle drei haben eine Ausbildung gemacht und Arbeit. Darauf ist Franz Scheuerer stolz. Dass er seine Kinder um Geld bitten muss, gefällt ihm weniger. Viel lieber würde er es selbst schaffen und einer Tätigkeit nachgehen. „Ich bin froh, wenn es wieder Sommer wird. Dann kann ich wenigstens wieder im Garten arbeiten."