„Dass sie so fröhlich ist, macht es leichter“

Bei alleinerziehender Mutter reicht es nur für das Nötigste – Mädchen leidet an Hirntumor

 

Von Claudia Stecher

 

Straubing-Bogen. „Ich glaube, ich habe sie noch nie schlecht gelaunt erlebt", sagt Mariella K. (Name geändert) über ihre zwölfjährige Tochter. Dabei leidet das Mädchen seit seinem dritten Lebensjahr an einem Gehirntumor, muss immer wieder Behandlungen und Kontrolltermine über sich ergehen lassen. Weil die alleinerziehende Mutter aus dem Landkreis Straubing-Bogen durch die Krankheit ihrer Ältesten zeitlich sehr in Anspruch genommen ist und zudem noch zwei kleine Söhne zu versorgen hat, ist sie derzeit auf Arbeitslosengeld angewiesen. Damit kommt sie, wie sie sagt, mit ihren drei Kindern „gerade so" über die Runden. Geld für ungeplante Ausgaben oder gar Sonderwünsche bleibt keines.

 

„Ich würde natürlich gerne arbeiten", erzählt Mariella K., doch sei es für sie nicht leicht, eine Stelle zu finden, die sich mit ihren Lebensumständen vereinbaren lässt: Da sind zum einen die fünf- und achtjährigen Buben, die morgens in den Kindergarten und die Schule gebracht und mittags wieder abgeholt werden müssen. Hinzu kommt, dass die 33-Jährige keinen Führerschein hat und alle Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen muss. In dem kleinen Ort, in dem die gelernte Verkäuferin mit ihren Kindern wohnt, ist die Anbindung nicht gerade die beste.


Die Erkrankung der Tochter erschwert die Sache zusätzlich, muss diese doch in regelmäßigen Abständen zu Untersuchungen in ein weiter entferntes Krankenhaus begleitet werden. „Ein möglicher Arbeitgeber müsste diesbezüglich tolerant sein und akzeptieren, dass ich auch mal kurzfristig ausfallen kann", sagt K.

 

Als Maria (Name geändert) drei Jahre alt war, wurde bei ihr ein Tumor im Kopf festgestellt. Das kleine Mädchen wurde operiert, vollständig entfernt werden konnte der Krebs aber nicht. Es folgten ein paar Jahre Ruhe, dann musste sie wieder unters Messer. So sei es seit der Diagnose, sagt ihre Mutter: „Immer, wenn du denkst, jetzt passt es, dann ist wieder was." Jetzt steht bei der Zwölfjährigen der Verdacht auf eine Wiedererkrankung im Raum, was eine besonders engmaschige Betreuung erforderlich macht. Ein Rückschlag – nicht nur für das Kind, sondern auch für das berufliche Vorankommen der Mutter, die erst im vergangenen Jahr eine Umschulung begonnen hatte und diese nun abbrechen musste. „Es ging einfach nicht mehr ..."

 

Bei all den Sorgen um ihr Kind gibt es aber doch etwas, das Mariella K. die Sache etwas leichter macht: „Maria ist immer gut gelaunt, auch wenn sie mal wieder im Krankenhaus ist und stundenlang auf die Behandlung warten muss", sagt die 33-Jährige. „Dass sie so fröhlich ist, macht es leichter."

 

Es fehlt auch der familiäre Rückhalt

 

Aufgrund ihrer besonderen Situation wird die Familie vom Sachgebiet „Soziale Dienste für Jugend und Familie" im Landratsamt in Straubing unterstützt. Die zuständige Sozialpädagogin Kristina Schmidbauer kennt die angespannte finanzielle Lage im Haushalt der K.s und bekommt auch mit, wie sehr die Mutter sich darum bemüht, dass diese den Kindern nicht zu oft bewusst wird. So unternimmt K. mit ihrer Tochter und den Söhnen gerne einen Ausflug nach Straubing, in den Tierpark oder in das Aquatherm – wenn der Geldbeutel es zulässt. „Familienkarten für diese Einrichtungen oder eine Dauerkarte für den Bus würden da schon sehr helfen ...", weiß Schmidbauer.

 

Was die Sozialpädagogin auch weiß, ist, an was es – vom Geld einmal abgesehen – Mutter und Kindern sonst noch fehlt: „Es gibt keinerlei familiären Rückhalt, Mariella K. ist bei allem ganz auf sich alleine gestellt." Vor sieben Jahren ist K. von Sachsen-Anhalt nach Bayern gezogen, wegen der besseren medizinischen Versorgung der Tochter. Verwandte, die ihr etwas abnehmen oder für ein paar Stunden auf die Kinder aufpassen könnten, sind weit entfernt. Dinge, die für andere Frauen ganz alltäglich sind, wie einmal mit einer Freundin etwas unternehmen oder ins Kino gehen, das gibt es für sie nicht. „Da muss erst ein Babysitter bestellt werden, und der ist teuer."

 

Bei den Kindern ist es vor allem die Oma, die fehlt. Besonders die beiden Älteren bekämen oft mit, wie es bei Schulkameraden ist, bei denen die Großeltern vor Ort sind, sagt Mariella K.. „Dass sie ihre Großmutter nur einmal im Jahr sehen können, daran haben sie schon zu knabbern ..." Um ihren Söhnen und der Tochter diese Art Bezugsperson nicht vorzuenthalten, hat sie sich bereits auf die Suche nach einer „Leihoma" gemacht. Bisher ohne Erfolg. „Wenn sich jemand fände, der sich vor diesem Hintergrund in die Familie einbringen möchte, würden wir uns sehr freuen", sagt die 33-jährige Mutter.

 

Wenigstens einen kleinen Wunsch erfüllen

 

Jetzt steht Weihnachten bevor – im Dezember zudem noch der Geburtstag eines Sohnes – und Mariella K. spart bereits seit Monaten, um ihren Kindern wenigstens einen kleinen Wunsch zu erfüllen: Legosteine für den Achtjährigen und Playmobil für den Jüngsten. „Der steht zurzeit total auf Ritter." Maria hingegen ist ein riesiger Helene-Fischer-Fan, für sie soll es eine DVD der Sängerin sein. Für die großen Wünsche reicht es freilich nicht. So würde ihre Tochter nächstes Jahr sehr gerne eines der Helene-Fischer-Konzerte in München oder Nürnberg besuchen. Dorthin könnte sie aber natürlich nicht alleine fahren und weil sie aufgrund ihrer Krebserkrankung Einschränkungen beim Sehen hat, müsste sie beim Konzert vorne sitzen. Die Zugfahrt kostet ebenfalls Geld – das die Familie nicht hat.
Aus diesem Grund konnte Mariella K. es sich auch nicht leisten, einen neuen Ofen und eine neue Waschmaschine zu kaufen, als die alten Vorrichtungen nicht mehr funktionierten. Die Aktion „Freude durch Helfen" der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung hat hier bereits geholfen und die Kosten für neue Geräte übernommen.

 

Vor Kurzem ging der Matratzenrost der 33-Jährigen kaputt, weswegen sie auf die kleine Couch im Wohnzimmer umziehen musste. Auch in diesem Fall bekam sie Unterstützung von „Freude durch Helfen".

 

„Ich weiß nicht, wo wir ohne diese Hilfe stehen würden", sagt die dreifache Mutter. „Für das alles bin ich sehr, sehr dankbar."

Bei einer alleinerziehenden dreifachen Mutter aus dem Landkreis Straubing-Bogen reicht das Geld nur für das Allernötigste. Für unvorhergesehene Ausgaben oder Wünsche der krebskranken Tochter und der beiden Söhne ist nichts übrig. (Foto: Daniel Karmann/dpa)